2023 eröffnet der in Berlin lebende Künstler Friedemann Heckel mit „Open Doors" seine erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Sweetwater. Er zeigt großformatige Aquarelle und Objekte, die auf Fotografien aus einem Familienalbum seiner Großeltern basieren. Eines der Aquarelle zeigt ihren Hochzeitstisch von 1949, noch ohne Gäste, menschenleer, andere Motive nehmen Bezug auf das Haus der Großeltern.
Der Anfang der 1960er Jahre fertiggestellte Bungalow in Hamburg-Sasel, dessen Gestaltung Bezüge zum Bauhaus und skandinavische Einflüsse erkennen lässt, stellt den Architektur gewordenen Versuch eines Neubeginns der Großeltern im Nachkriegsdeutschland dar. Kurz bevor es 2018 abgerissen wird, montiert Friedemann Heckel die innenliegenden Türgriffe des Hauses ab und nimmt sie an sich. Für „Open Doors" gießt er sie aus unglasiertem Porzellan nach und entbindet sie so ihrer Funktion. Die Fragilität des Materials steht hier im Gegensatz zu der mit dem Objekt assoziierten Mechanik. Das Motiv der Klinke lässt sich als symbolische Öffnung eines Erinnerungsraumes lesen, die sich im Aquarell „Flügelschlag" fortsetzt.
In wechselnden Medien erörtert Friedemann Heckel exemplarisch, wie sich Zeitgeschichte in Objekte einschreibt und initiiert einen generationsübergreifenden Dialog zu der Identität von Orten. Seine gleichermaßen zarten, wie technisch versierten Aquarelle zeichnen die schwindenden Erinnerungen an das großelterliche Haus nach, fragen, wie sich Orte konstituieren und was bleibt, wenn das Gebaute nicht mehr ist. Auch „Flügelschlag" versucht so eine Berührung mit der Vergangenheit aus der Perspektive der Gegenwart und öffnet einen Möglichkeitsraum zwischen Rückblick und Vorahnung.
Der Künstler Friedemann Heckel lebt und arbeitet in Berlin und wird von der Galerie Thomas Fischer und der Galerie Sweetwater vertreten.