Museums- und Kulturforum, Arnsberg

Bez+Kock Architekten

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Barockes Gemäuer trifft moderne monolithische Architektur

Seit 1925 gibt es das Sauerland Museum im nordrheinwestfälischen Arnsberg. Seit 1937 ist es in den gleichen barocken Mauern angesiedelt, dem Landsberger Hof, der an der Arnsberger Stadtmauer als barockes Palais über der Ruhr thront. Eine der Dauerausstellungen reflektiert folgerichtig die Geschichte des Sauerlands in der Zeit des Dritten Reichs. Um mehr Ausstellungsfläche zu schaffen, wurde das alte Gebäude aus dem Jahr 1605 nun durch das Stuttgarter Büro Bez+Kock Architekten denkmalgerecht saniert und um einen Neubau erweitert. Aus dem Sauerland Museum wurde das Museums- und Kulturforum Südwestfalen, das sich mit neuem Raumangebot und ausgezeichneter Architektur nun auch für überregional ausstrahlende Ausstellungen eignet, wie die viel beachtete Eröffnungsausstellung, die dem expressionistischen Maler August Macke gewidmet war.

Es waren nicht die Gewinner des europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbs, die das Museum bauen sollten. Im anschließenden VOF-Verfahren erhielten die zweitplatzierten Bez+Kock Architekten den Auftrag, das Museum um- und auszubauen. Aber ihren eingereichten Entwurf mussten sie noch einmal komplett überarbeiten. Markant tritt der Bau nun auf, nicht wie ursprünglich im Wettbewerb gedacht mit 75% unterirdischer Fläche in den steil abfallenden Hang unter dem Landsberger Hof gebaut. Stattdessen treppt sich die Museumserweiterung nun über drei Ebenen vom rückwärtig freiliegenden 1. Untergeschoss des Altbaus bis auf das Niveau der Ruhrstraße ab.

Verbunden werden Neu- und Altbau durch eine geschlossene Brückenverbindung, die ein gestalterischer Höhepunkt des neuerweiterten Museums ist. Besonders aufregend wird die Architektur hier, wo beide Zeitschichten aufeinandertreffen. Wo der alte dunkle Steinboden in den neuen weißen Terrazzo übergeht, die unebenen Wandflächen des barocken Gemäuers auf die Geradlinigkeit moderner Architektur des 21. Jahrhunderts treffen. Durch die Brückenverbindung geht der Besucher auf ein raumhohes Panoramafenster zu, das sich am Ende des Ganges eröffnet und aus 15 Metern Höhe einen beeindruckenden Blick über die Stadt Arnsberg präsentiert.

Architekt und Objekt

Foto: © Arne Hartenburg

„Die markante Topografie macht den Weg durchs Gebäude zur Hauptattraktion: Ein schmaler Durchgang im Sockel des Landsberger Hofs führt auf die Brücke zum Neubau. Von hier öffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf den angrenzenden Brückenplatz, die Stadt selbst wird zum Exponat“, so der Architekt Martin Bez.

Skulpturale Gestaltung mit ausgewählten Materialien

In seiner monolithischen Gestaltung nimmt der Neubau Beschaffenheit und historische Bedeutung des Ortes auf. Auch im Material anknüpfend an die Materialität der alten Stadtmauer bewahrt er dem barocken Landsberger Hof seine Wirkung als Stadtpalais, das die Stadtmauer überragt. Als abstrakter, skulpturaler Körper spielt der Neubau mit dem Thema der Schräge. Schräg in den Körper eingeschnittene Fenster und Türen, schräg zueinander versetzte Außenwände. An bestimmten Stellen faltet sich die Hausmauer gewissermaßen auf und macht in den Falten Platz für die mal an den schmalen mal an den breiten Seiten verorteten Fensteröffnungen. Dabei entsteht eine plastische Form, die im Spiel von Licht und Schatten besondere Wirkung entfaltet.

Die Architektur ist geprägt von den wenigen, ausgewählten Materialien, deren Oberflächen eine besondere Haptik ausstrahlen. Der gestockte Gauinger Travertin, der die Außenwände bekleidet ist zu einem lebendigen Mauerbild mit Reihungen unterschiedlicher Steinformate gefügt. Der aus Baden-Württemberg stammende Kalkstein trägt so zur plastischen Wirkung des Museumsbaus bei. Im Inneren lassen der feine weiße Terrazzo und der gefilzte Lehmputz die Räume strahlen und betonen auch im Inneren des Neubaus die Skulpturalität der Architektur. Der Eingriff in den Altbau zeigt sich beispielsweise im Empfangsraum des Museums. Auch hier überwiegen weiße Materialien die Raumgestaltung. Ergänzt werden sie allerdings durch in die Wand eingelassene, minimalistische Holzregale und einen als Skulptur im Raum stehenden Werksteintresen mit Holzaufbau.

Als „ästhetisch, elegant, funktional und wertig“ beschreiben die Architekten die beiden gewählten Griffmodelle: Fenster im Altbau FSB 3403, Türen in Alt- wie Neubau FSB 1004. Im Kontext des ursprünglich als barockes Stadtpalais erbauten Altbaus setzen die polierten Edelstahloberflächen Akzente. Sie stehen für eine spannungsreiche Neuinterpretation des Alten. Die polierte Oberfläche spielt mit der Geschichte des Hauses und kontrastiert dabei mit den eher matten Oberflächen und der Patina des Bestandsgebäudes. Die im Neubau verwendeten, matten Edelstahloberflächen werden hingegen zum zurückhaltenden und integrativen Teil des Neuen. Hier geht es den Architekten nicht um einen Kontrast, sondern vielmehr um die Integration der matten Edelstahloberflächen der Türgriffe in das dezidiert neue Material.

Objektdetails

Fotos: ©Brigida González

Standort

Sauerland-Museum

Alter Markt 24-30
59821 Arnsberg

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