Concrete meets Corten – Büro- und Wohngebäude, Landshut

Architekturbüro Leinhäupl + Neuber

Produkte

Gotik und Renaissance, Sichtbeton und Stahl

Das Stadtbild der 70.000 Einwohner-Stadt Landshut ist mit seinem großen Bestand an Baudenkmälern der Gotik und Renaissance von großer kulturhistorischer Bedeutung. Als einem der besterhaltenen baukulturell bedeutenden historischen Stadtkerne Deutschlands wurde er bereits für das Weltkulturerbe nominiert. Auf 500 Metern Höhe über der Isar-Stadt thront die Wehranlage der Burg Trausnitz, die die Stadtgründung von Landshut um 1200 markiert. Zu Füßen der Festung steht die St. Martinskirche mit ihrem eindrucksvollen Kirchturm, der mit seinen 130 Metern Höhe den Rekord als höchster Backsteinturm der Welt hält. In dieser besonderen architektonischen Umgebung, zwischen Burg und Kirche direkt am Fuß des Burgbergs gelegen, hat das Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH, kurz ALN seinen Sitz.

Nachdem der historische Stadelbau, in dem die Architekten ihr Büro haben, zu klein geworden war, haben sie ihn kurzerhand um einen Neubau erweitert. Auf diese Weise konnte die präferierte Lage in der Altstadt beibehalten werden. Der Erweiterungsbau bietet nun nicht nur Platz für weitere Büros und eine Dachgeschosswohnung, sondern ist gleichzeitig ein Aushängeschild in Sachen moderner Gestaltung und nachhaltiger Architektur geworden. Mitten in der Landshuter Innenstadt und dennoch fast versteckt in der kleinteiligen Altstadtstruktur, zu erreichen nur über Kopfsteinpflaster und eine zurückgezogene Gasse liegt nun ein überraschendes architektonisches Juwel: Der Beweis, dass es möglich ist, auch innerhalb jahrhundertealter architektonischer Strukturen gute, moderne und nachhaltige Architektur neu zu schaffen, ohne das gewachsene Bild der Stadt zu zerstören.

Auch auf seine natürliche Umgebung reagiert der Bau angemessen. Als monolithische Figur fügt sich das neue Haus in seine Lage am Fuß des Burgbergs und schmiegt sich direkt an die steile Böschung. Mit der Ausrichtung seiner drei Geschosse nimmt der Baukörper verschiedene Höhenlinien des Berges auf. Concrete meets Corten – so die einfache und überzeugende Idee des Entwurfs. Und das Konzept ist unübersehbar. Nach außen hin ist das Gebäude mit blanken Cortenstahlplatten verkleidet, die, der Witterung ausgesetzt, bereits jetzt erste Patina angelegt haben. Im Inneren hingegen zeigt das Haus seine Grundkonstruktion, die samt dem flachen Satteldach aus Sichtbeton gefertigt ist. In Form großer Fensterfronten, die die pittoreske Landshuter Altstadt ins Haus holen, taucht Glas als dritter wichtiger Baustoff in Erscheinung.

Architekt und Objekt

Peter Leinhäupl, Barbara und Markus Neuber
Foto: Gabrijela Obert

„Diskussion bedeutet Bewegung. Und wer sich bewegt, bewegt auch andere. Und auch gewachsene Strukturen mögen frischen Wind, der durch ihr graues dichtes Haar weht“, so die Architekten zu ihrem modernen Eingriff in der jahrhundertealten Struktur der Stadt Landshut.

Regional, Rückbaubar, Recyclebar

Für die mal offenen, mal geschlossenen Grundrisse wurde die Lage am Hang zum Gestaltungsfaktor. Nun liegen die privateren Rückzugsorte und funktionalen Küchen- oder Sanitärräume nach hinten zum Berg, während die Arbeits- und Wohnräume, die von viel Licht profitieren, zur Stadt hin orientiert sind. Grundlegender Anspruch allen Denkens und Planens der Architekten war ein bewusster, nachhaltiger Umgang mit den verwendeten Ressourcen. So ist ein möglichst reduziertes und in seiner Form kompaktes Haus entstanden, das in der tagtäglichen Nutzung wenig Energie verbraucht. Decken und Dach sind mit einer Betonkernaktivierung ausgestattet, die für Kälte- und Wärmeregulierung im Haus sorgt. Sichtbare Heizkörper und Klimaanlage werden dadurch überflüssig.

Was andere als Unglück empfinden – der Austritt von großen Mengen Hangwasser während der Arbeiten am Berg – münzten die Architekten in einen effektiven Glücksfall um und machten das Hangwasser zum Teil des nachhaltigen Energiekonzepts. In einem Auffangbehälter gesammelt, speist es Wärmetauscher und -pumpe für die Betonkernaktivierung. Statt glatter, homogener Flächen war den Architekten qualitätvolle handwerkliche Arbeit wichtig. Die Materialien Sichtbeton und Cortenstahl bedürfen weder einer nachträglichen Oberflächenbehandlung noch späterer Instandhaltungsmaßnahmen und tragen so einen weiteren Teil zum langen, ressourcensparenden Lebenszyklus des gesamten Gebäudes bei. Gleichzeitig wahren beide Materialien mit der ihr eigenen, über die Zeit angelegten Patina die hochwertige Ästhetik des Hauses.

„Uns war wichtig, dass untergeordnete Bauteile und Materialien den Entwurfsgedanken nicht stören, sondern unterstützen. Sie sollten schlicht und zurückhaltend sein“, sagen die Architekten von Leinhäupl + Neuber. Und diesem Gedanken folgt natürlich auch die Wahl der Griffe in Modell und Materialität. Alle Tür- und Fensterelemente haben dieselbe Drückergarnitur erhalten. Alle Griffe sind im Sinne der Architekten in Edelstahl verbaut worden. Mit hoher Wertigkeit und Haptik und seinem schlichten Design füge der Edelstahl sich optimal in das Sichtbeton-Konzept ein, so ALN zu ihrer Entwurfsentscheidung. Als Modell haben sie mit FSB 1005 einen Klassiker gewählt, der schlicht und edel wirkt. Um ihn möglichst nahtlos in das Innenraumdesign einzufügen, wurde er flächenbündig mit Rundrosetten verbaut.

Objektdetails

Fotos: Gabrijela Obert

Standort

Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH

Nahensteig 188B
84028 Landshut

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