Kinder- und Jugenddorf Seckach

Ecker Architekten

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Bergende Dächer

Was kann man eigentlich Schöneres von Architektur erwarten, als dass sie den Menschen, die in ihr wohnen, das Gefühl gibt, geborgen und gut aufgehoben zu sein. Im Kinder- und Jugenddorf Klinge, das gerade architektonischen Zuwachs bekommen hat, steht dieses Gefühl im Mittelpunkt. Jungen Menschen nicht nur ein Dach zu bieten, sondern auch das Gefühl, sicher zu sein und einer behütenden Gemeinschaft anzugehören. In den zwei neuen Häusern – das eine mit L-, das andere mit U-för-

migem Grundriss – leben seit April 2021 drei Wohngemeinschaften aus acht Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit ihren pädagogischen Hausleitungen auf insgesamt rund 1.850 Quadratmetern. Das Büro Ecker Architekten hat beim Entwurf der zwei Neubauten die architektonische Form für ein Gefühl gesucht und in der archetypischen Urform des Hauses gefunden. Es sind markante Dächer, überhoch und an den Seiten tief nach unten gezogen, die die Architektur kennzeichnen.

Zudem ragen burgartig Türme in die Höhe. Mit weit oben liegenden Fenstern, die der Querlüftung dienen – ähnlich wie bei einem thermischen Kamin. Sie beherbergen die getrennten Treppenhäuser für Kinder und Pädagogenfamilien und dienen sich gegenseitig als notwendiges Fluchttreppenhaus. Ob U-Boot-artiges Riesenfernrohr, Mega-Schornstein oder klassischer Burgturm – die Architektur soll die jungen Bewohner anregen, sich ihre Häuser anzueignen und sich mit ihnen zu identifizieren.

Architekt und Objekt

Foto: © Thilo Ross

„Am Anfang des Entwurfs fragten wir uns: Was will man den Kindern vermitteln? Welche Empfindung sollen sie haben, wenn sie ins Kinderdorf kommen, in ihr neues Zuhause?“ erläutert die Architektin Dea Ecker ihre Herangehensweise.

Die Wärme von Holz

Es überrascht nicht, dass die Architekten bei der Frage nach dem Material, bei Holz landeten. Holz strahlt Wärme aus und wirkt behaglich, man will es gerne anfassen und es fühlt sich gut an. Genau das richtige also für einen Ort, der sich wie ein Zuhause anfühlen soll. Die Gebäude sind echte Holzhäuser, in Holzrahmenbauweise konstruiert, die innere Rahmenschale besteht aus Diagonaldübelholz. Und auch hier sind die Bewohner immer mitgedacht. Weder Konstruktion noch Installation wurde hier glatt und modern versteckt. Die eingesetzten V-Stützen aus Holz sollen die Bauweise vielmehr deutlich und verstehbar machen.

Die Gedankenwelt, die sich in der Architektur der Neubauten materialisiert, scheint von Anfang an Teil des 1951 von Pfarrer Heinrich Magnani als gemeinnütziger Verein gegründeten Kinder- und Jugenddorfs gewesen zu sein. Das pädagogische Konzept unterscheidet sich stark vom klassischen Kinderheim. Es orientiert sich vielmehr an kleinen, in einem Dorf vereinten Familienstrukturen. Als Ortsteil der Gemeinde Seckach im Neckar-Odenwald-Kreis hat sich der Verein mit seinen Häusern seither zu einem tatsächlichen kleinen Dorf entwickelt. Insgesamt rund 150 Kinder wohnen heute in 17 Hausgemeinschaften und drei Jugendwohngruppen, es gibt sowohl Schule, Kindergarten und Spielplatz als auch

eine Kirche, eine Gaststätte, Ferienhäuser sowie eine Tagungsstätte. „Mit seinen schönen Formübergängen und der modernen klaren Linienführung drückt der Türdrücker Eleganz und zeitlose Schönheit aus“, so schrieb die Jury des German Design Award, als sie 2019 das FSB-Griffmodell 1226 auszeichnete, das jetzt auch die Türen und Fenster der Neubauten im Dorf Klinge öffnet. Vom Designer Werner Aisslinger für FSB gestaltet, ist es ein Griff, den man einfach gerne anfasst. Gestalterisch ordnet er sich dem Gesamtkonzept der Architekten unter. In seiner Qualität und Langlebigkeit wird er zur idealen Ergänzung.

Objektdetails

Fotos: © Brigida González