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Nordkopf Tower, Wolfsburg

Schulz und Schulz Architekten

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Stadtentwicklung in der Autostadt Wolfsburg

Kaum zu glauben, dass das Autoland Deutschland im europäischen Vergleich einst „untermotorisiert“ war. 1930 waren in Deutschland zahlenmäßig nur ein Drittel der Kraftfahrzeuge registriert, die etwa in Frankreich oder Großbritannien fuhren. So fiel die Kampagne der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ für ein allen erschwingliches Auto auf fruchtbaren Boden. Noch bevor der Grundstein für das KdF-Wagen-Werk gelegt war, hatten bereits Hunderttausende einen Sparvertrag abgeschlossen. 1938 wurde das heutige Wolfsburg unter dem Namen Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben gegründet. Und auch heute noch ist Wolfsburg stark vom dortigen Volkswagenwerk geprägt. Mit der Krise der Automobilindustrie in den 90er Jahren und dem damit verbundenen städteplanerischen Umdenken geriet das Gebiet zwischen VW-Werk und der südlich liegenden Innenstadt ins Zentrum des Geschehens. Mit neuen Dienstleistungs- und Kulturangeboten entwickelte sich der „Nordkopf“ zu einem der dynamischsten Gebiete der Stadt.

Mit dem 2005 eröffneten Phæno Science Center hat Zaha Hadid dem Wolfsburger Nordkopf besondere architektonische Aufmerksamkeit beschert. Ein von konischen Füßen getragener, vielfältig geformter Baukörper eröffnet unter sich einen neuartigen Stadtraum als künstliche Landschaft aus Hügeln und Tälern. Das abstrakte, dynamische Gebäude vereint sanfte, fließende Linien mit schroffen, kantigen Partien und bildet ein eindrucksvolles städtebauliches Entrée am Wolfsburger Hauptbahnhof. Ergänzt wird das Phæno nun durch einen weiteren wichtigen Stadtbaustein. Der Nordkopf Tower setzt dem Phæno einen städtebaulich wirksamen Hochpunkt gegenüber und komplettiert als neues Kunden- und Verwaltungszentrum der Unternehmensgruppen Stadtwerke Wolfsburg AG und LSW den bestehenden Firmensitz von 1961. Der herausragenden städtebaulichen Bedeutung bewusst, lobten die Stadtwerke 2014 einen Wettbewerb aus, den das Leipziger Büro Schulz und Schulz Architekten für sich entscheiden konnte.

Die Erweiterung schließt westlich an den Bestand an, mit dem es einen gemeinsamen begrünten Innenhof bildet, und zieht das Gebäude auf diese Weise vor, bis an die Fluchten von Heßlinger und Porschestraße (Koller-Achse) und sorgt dort für wirksame städtebauliche Kanten. Der Hochpunkt setzt die stadträumliche Bedeutung des Nordkopfes klar in Szene. Mit seiner beeindruckenden Metallfassade aus eloxierten Aluminiumblechschindeln wird er dabei zum weithin sichtbaren Orientierungspunkt innerhalb der Stadt. Eine vier Geschosse umfassende Basis nimmt die Traufhöhen der Umgebung auf und schließt den sich aus ihr heraus entwickelnden 36 Meter hohen Turm so an die Stadtlandschaft an. Der Turm kragt dabei über die Ecke des Blocks und den Verkehrsraum der Heßlinger Straße aus.

Architekten und Objekt

Ansgar und Benedikt Schulz
Foto: © Valentina Seidel

„Das Haus ist selbstverständlicher Teil des urbanen Lebens – es wandelt sich mit der Intensität des Lichts und erzeugt je nach Tageszeit und Wetter ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Es sieht immer wieder anders aus, spiegelt den Tag und erzählt Geschichten. Von der gleisenden, metallischen Homogenität in der Mittagssonne bis hin zur weichen Rasterung der rötlichen Abendsonne.“

Eine metallene Haut, die Geschichten erzählt

Besonderes Augenmerk haben Schulz und Schulz auf die Plastizität ihrer Gebäudefassade gelegt. Insgesamt über 55.000 Metallschindeln hüllen Bestandsgebäude und Neubau in ein gemeinsames Kleid. Das metallische Äußere des Gebäudes stellt selbstverständlich Bezug zum Automobilstandort her. Gleichzeitig verliert der Bau durch die Schichtung der Schindeln seine massive Höhe. Als raumbildender Körper prägt das neue Gebäude mit seiner Außenhaut die Atmosphäre des Stadtraums. Die Fassade wirkt durch ihre Struktur, Tiefe und Materialität. Die sich stets verändernden Lichtbrechungen an seiner Fassade verleihen dem Baukörper Lebendigkeit. „Das Haus ist selbstverständlicher Teil des urbanen Lebens – es wandelt sich mit der Intensität des Lichts und erzeugt je nach Tageszeit und Wetter ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Es sieht immer wieder anders aus, spiegelt den Tag und erzählt Geschichten. Von der gleisenden, metallischen Homogenität in der Mittagssonne bis hin zur weichen Rasterung der rötlichen Abendsonne“, berichten die Architekten. Ausgangsmaterial für das einheitliche Fassadenkleid sind die quadratischen, präzise auf das Gebäuderaster abgestimmten, titansilbernen Aluminiumblechschindeln, die in einer thüringischen Behindertenwerkstatt mit eigens entwickelten Falz- und Abkantwerkzeugen handgefertigt wurden.

Lediglich fünf unterschiedliche Schindeltypen (Starter, Standard, Attika, Fensteranschluss und geschlossene Eckschindel) wurden verbaut und zu einer über 4.100 Quadratmeter großen, homogenen Schindelfassade gefügt. Der Sockel des Gebäudes beherbergt das Kundencenter, das offene Großzügigkeit ausstrahlt und die Kunden durch vielschichtige Verbindungen zum Stadtraum in den Innenraum zieht. Das auskragende Gebäude eröffnet einen eingerückten öffentlichen Vorraum. Im Inneren prägen übergroße helle Fliesen den Eingangsbereich. In der neuen Konzernzentrale finden mehr als 400 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze. Für eine gute Arbeitsatmosphäre sorgen auch die hochwertigen Holz- und Natursteinoberflächen in den Innenräumen. Auf Flexibilität und Offenheit angelegte interne und halböffentliche Bürobereiche orientieren sich am Betrieb eines nachhaltig wirtschaftenden Unternehmens, was dem Gebäude das DGNB-Label in Gold eingebracht hat. Besonderer Mehrwert für die beschäftigten Mitarbeiter ist die Dachloggia im neunten Stock, die weite Blicke über die Stadt Wolfsburg und ihr so prägendes Volkswagenwerk eröffnet. Gerahmt wird der Blick durch einen freikragenden und mit Schindeln verkleideten Dachbalken.

Das sowohl an Fenstern wie auch an den Türen eingesetzte Griffmodell FSB 1232 greift gestalterisch auf Quadrat und Kreis zurück und erfüllt dabei die Anforderungen der DGUV. Für die Architekten von Schulz und Schulz garantierte der Türdrücker ein einheitliches Erscheinungsbild der Architektur auch im Inneren des Neubaus. Als „eleganter, funktionaler und geschmeidiger Drücker“ integriere er sich gut in das architektonische Konzept des Gebäudes. In Silber Eloxal-Ausführung passt der gewählte Türgriff hervorragend sowohl zu den verbauten Bändern, Obentürschließern und Fensterrahmen in den Innenräumen als auch zur äußeren Fassade. Die gelungene Architektur bescherte dem Büro die Auswahl des Gebäudes unter die zehn besten Bauten beim Niedersächsischen Staatspreis für Architektur 2018.

Objektdetails

Fotos: Gustav Willeit - parterre3.com

Standort

Wolfsburger Nordkopf Tower

Heßlinger Straße 1-5
38440 Wolfsburg

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