Villa Kellermann, Potsdam

Ester Bruzkus Architekten

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Bei Großmutter zu Tisch

„Wenn ich früher sonntags zu meinen Großeltern gefahren bin, hat meine Oma den Tisch immer sehr reichlich gedeckt. Sie servierte mir mehrere Vorspeisen, ihre grandiosen Königsberger Klopse und danach noch etwas Süßes.“ – Dieses wohlige Gefühl, das ihm seine Kreuzberger Oma seinerzeit damit bescherte, ist es, was Spitzenkoch Tim Raue seinen Gästen im neueröffneten Restaurant Villa Kellermann in Potsdam vermitteln möchte. Nach fast zehn Jahren Dornröschenschlaf wurde das 1914 erbaute Gebäude in der noblen Berliner Vorstadt im Herbst letzten Jahres erneut zu Leben erweckt – maßgeblich durch die kreative Arbeit von Ester Bruzkus. Günther Jauch, der die Villa gekauft hatte, wurde bereits nach vier Wochen Öffnungszeit vom Gault Millault für das gelungene Konzept zum Gastronomen des Jahres gekürt.

Bis zur Schließung 2009 hatte es in der Villa Kellermann ein italienisches Restaurant gegeben. Nach dem folgenden langen Leerstand wurde sie mehr als zwei Jahre lang aufwändig saniert. Das historische Haus am Heiligen See ist Potsdamer Kulturgut. Hier wurden auch vor über 100 Jahren schon rauschende Feste in beeindruckender Kulisse gefeiert. Bereits beim Zeremonienmeister Wilhelm von Hardt, der das Haus einst als Villa Hardt erbauen ließ, traf sich wer Rang und Namen hatte auf der mondänen Seeterrasse. Zu DDR-Zeiten war das Haus Sitz des Kulturbunds und ein Treffpunkt von Intellektuellen, Künstlern und Schriftstellern. Heute ist die Villa Kellermann nach dem Schriftsteller Bernhard Kellermann benannt, der selbst hier aber nie gewohnt hat.

Kulinarisch lässt man sich in der Villa Kellermann von der Stadt Potsdam und dem Land Brandenburg inspirieren – und eben von der heilsamen Wirkung eines Sonntagsmahls bei der Großmutter. Samtig und gemütlich, so als sei es schon immer da gewesen (nicht plüschig!!) wollte Tim Raue die Räumlichkeiten haben, und so sind sie geworden. Geblieben ist der beeindruckende Charme der Historie der Gründerzeitvilla, die Stuckdecken, Holzvertäfelungen, Türen, der Marmorkamin – und die wundervolle Terrasse zum See. Hinzugekommen ist die moderne Handschrift von Ester Bruzkus Architekten, die für die Restaurierung und Neugestaltung der Innenräume zuständig waren. Alt und neu gehen fortan in diesem Haus eine inspirierende Verbindung ein. Das gilt sowohl für das Interieur, dessen Reiz sich aus der Inszenierung starker Kontraste speist, als auch für die Küche, die es stets darauf anlegt, Gerichte mit Tradition in moderner Interpretation zu präsentieren.

Architekt und Objekt

Foto: Stephan Pramme

„Die große Kunst ist, sich überall und von allem inspirieren zu lassen und dann ein eigenes Konzept daraus zu kreieren, das dann aber auf den Kunden und den Ort maßgeschneidert ist. Es muss ein Raum entstehen, der natürlich ist. Wenn sich etwas natürlich anfühlt und nicht wie ein Set-Design, dann kann es auch altern, dann ist es zeitlos“, so Ester Bruzkus.

Balance zwischen Alt und Neu

Eine Balance zu finden zwischen dem Erhalt des Denkmals und den notwendigen Erneuerungen, war die große Herausforderung für die Architekten in den Innenräumen. Es wurde viel Sorgfalt auf den Erhalt der originalen Ausstattung gelegt und nur wo nötig ergänzt, wie beispielsweise bei den neu verlegten Fußböden im Entree und Untergeschoss, die als zeitgenössische Variationen historischer Vorbilder entworfen wurden. Entstanden ist ein Dialog zwischen der ursprünglichen Architektur des Hauses und der neuen Einrichtung mit ihren maßgefertigten Möbeln, starken Farben und erlesenen Materialien.

In jedem der wiederbelebten historischen Räume sollen die Gäste eine ganz eigene Farbatmosphäre erleben. Als Hauptspeisesaal hat der „Salon Alter Fritz“ keinen neuen Anstrich bekommen, sondern bewahrt den freigelegten Stuck und die alten Wandfarben des Hauses. Für Moderne sorgen hier unter anderem die minimalistischen raumhohen Spiegel, die sich an die klassische Sprache des Spiegelsaals anlehnen und der Mix aus warmen Rot-, Curry- und Goldtönen. Der „Grüne Salon“ schafft eine Collage unterschiedlicher Grüntöne und kombiniert diese mit schwarzen filigranen Stahlelementen und Messing. Der „Elefantensalon“ wirkt mit seinem Tapetenmuster aus kleinen weißen Elefanten auf leuchtend blauem Grund wie einmal in Farbe getaucht. Decke, Wände, Möbel und Teppiche strahlen in warmem Preußisch Blau und sorgen für eine ganz besondere Raumerfahrung.

Die Gestaltung der Räume verbindet das Vertraute mit dem Neuen. Neue und alte Stoffe, Besätze aus massivem Messing und historische Besätze, Samtvorhänge und hochwertige Stühle werden kombiniert. „Das Design präsentiert einen Dialog zwischen den historischen Linien jedes Zimmers mit maßgeschneiderten Möbeln aus Stoffen und Metallen, die Messing, Muster, Texturen und Farben kombinieren“, so Ester Bruzkus. Und so passen die bronzefarbenen Griffe ausgezeichnet ins Gesamtbild. Das von David Chipperfield entworfene Modell FSB 1004/1034, das ebenfalls als Weiterentwicklung klassischer Formen gelesen werden kann, kam in unterschiedlichsten Varianten zum Einsatz.

Objektdetails

Fotos: ©Nils Hasenau

Standort

Villa Kellermann

Mangerstraße 34
14467 Potsdam

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