Mehrzweck- und 3-Feld-Sporthalle Lahr

a+r Architekten

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Zwischennutzung: Blumenhalle

Landesgartenschauen sind Motoren der Stadtentwicklung. So auch die 27. Landesgartenschau von Baden-Württemberg, die 2018 in Lahr stattfand. Als Stadt versucht man, sich anlässlich der Gartenschauen mit möglichst attraktivem Gesicht zu präsentieren. Gleichzeitig bietet sich dabei die Gelegenheit, lange gehegte städtebauliche Ziele zu einem bestimmten Datum umzusetzen. Schlau geplant wird also die Nachnutzung der Flächen und Gebäude der Gartenschau zum eigentlichen Ausgangspunkt der baulichen Bestrebungen. So erfreut die Stadt Lahr seit Ende der Landesgartenschau ihre Einwohner mit einem neuen Badesee inmitten eines neu entstandenen Naherholungsgebietes.

Die größte Einzelinvestition aber war der Neubau einer Halle, die als Teil des Parkgeländes die wechselnden Blumenausstellungen präsentieren durfte. Doch sein wahres räumlich-architektonisches Potential entfaltet der Bau erst seit er seiner eigentlichen Nutzung dient. Denn durch die gekonnte Fügung aus zwei zueinander versetzt positionierten Hallen vereint der Neubau von a+r Architekten Sport und Veranstaltung und verleiht beiden Nutzungen angemessene eigene Außenräume.

Ein mittig liegendes niedrigeres Sockelgeschoss verbindet die beiden überhöhten Hallen und dient als gemeinsamer Eingangsbereich. Durch den Versatz der Volumen eröffnen sich zwei Plätze, die den Bau in unterschiedliche Richtungen an die Umgebung anschließen. Die 3-Feld-Sporthalle wendet sich mit ihrem „Vereinshof“ in Richtung Park, der heute unter anderem als städtische Sportanlage dient. Der „Eingangshof“ ist Hauptzugang zum Ensemble und übernimmt daher Entrée-Funktion in Richtung Stadtzentrum. Beide Plätze werden gefasst von offenen Arkaden in Sichtbeton. Als Sockelband zieht sich das Arkadendach weiter und legt sich rahmend um beide Hallen, die so zu einem einheitlichen Baukörper zusammengebunden werden.

Architekt und Objekt

Foto: ©René Müller

„Formal sollte ein Griff auch zum Gesamtbild des Gebäudes passen und im Kleinen auch den Typus eines Gebäudes widerspiegeln. Wenn man das Gebäude versteht und der Griff dies erkennen lässt, freuen wir uns, wenn es auch anderen ein „Schmunzeln oder Freude“ entlockt“, so die Architekten selbst.

Der Wald als Abstraktion aus Kanthölzern

Die Fassade verdeutlicht die architektonische Struktur. Unterhalb des Sockelbandes liegen alle Nutzungsbereiche mit niedrigeren Raumhöhen. Über das Sockelband hinaus ragen die beiden Hallen mit ihren hohen Lufträumen. Die Fassade ist gestalterisch deutlich in zwei Bereiche geteilt, getrennt werden beide durch das umlaufende Band aus Beton. Verweisen wollen die Architekten mit der Fassade auch auf die regionalen Begebenheiten der Stadt Lahr. Während sich der dunkle Sockel auf die geologische Situation bezieht, spiegelt der obere Fassadenteil den nahen Schwarzwald.

Ein „abstrakter Wald“ aus Kanthölzern mit unterschiedlichen Graden an Dichte und Durchlässigkeit sorgt für den prägnanten Auftritt des Neubaus. Die Hallenvolumen sind im oberen Bereich mit einer detailliert ausgeführten Holzlattung verkleidet, deren schmale Kanthölzer sich sowohl nach oben als auch nach außen staffeln und dem Bau so eine plastische Außenhaut verleihen. Die Holzlattung zieht sich durchgängig über die komplette Fassadenbreite und spart die Fensterbereiche nicht aus. Aufgefädelt auf schwarz eloxierte Aluminiumrundstäbe lassen die Latten nur gefiltertes Licht ins Innere. Der vor zu viel Sonneneinstrahlung geschützte Innenbereich profitiert so vom atmosphärischen Lichtspiel.

Die Innenräume sind geprägt von einer klaren, reduzierten Materialität, die für hochwertige Raumeindrücke sorgt. Bewusst einfache Sichtbetonflächen und Wandpartien in Lärchenholz werden kombiniert mit rot-braunem Linoleum. In dieses Materialkonzept fügt sich auch die bewusste Wahl der Griffe. Die Architekten haben sich mit dem Modell FSB 1244 und der Turnhallenmuschel FSB 7984 für „weiche, kantige, verbindliche“ Griffe entschieden. Die Materialwahl fiel mit Blick auf Dauerhaftigkeit, Hygiene und wertige Wahrnehmung auf gebürsteten Edelstahl. So werden die Griffe der alltäglichen Nutzung des Baus als öffentliche Sportstätte mit Vereinsbereich gerecht und machen auch bei festlichen Veranstaltungen eine gute Figur.

Objektdetails

Fotos: ©Marcus Ebener

Standort

Mehrzweck- und 3-Feld-Sporthalle Lahr

77933 Lahr/Schwarzwald
Deutschland

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