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Haus Lindetal, Mecklenburg-Vorpommern

AFF architekten und Stephan Hahn

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Tradition und Moderne

Im kleinen Ort Lindetal im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern steht, eingebettet in alten Baumbestand und eine Reihe traditioneller benachbarter Scheunen, ein kleines Wunderwerk moderner Handwerkskunst. Gemeinsam haben Sven Fröhlich von AFF architekten und der Architekt und Zimmerer Stephan Hahn gewissermaßen ein Manifest für die Verwendung lokaler, unbehandelter Baustoffe und deren handwerkliche Bearbeitung und Fügung gebaut. Rund 55m³ Holz wurden für Haus Lindetal verbaut. Aus der genauen Kenntnis ihrer Eigenschaften heraus wurden Douglasie, Eiche, Lärche, Kiefer und Esche gewählt. Im Winter geschlagen, zum Zeitpunkt der Wachstumsstagnation, ist das Holz besonders widerstandsfähig gegen Witterung und Schädlinge.

Ein flachgeneigtes, asymmetrisches Satteldach verleiht dem dunklen Haus seine zugleich traditionelle wie moderne Form. Die Terrasse weist wie ein Steg in die hügelige Endmoränenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Haus Lindetal ist vollständig in eine Stülpschalung aus Lärchenholz gehüllt, die sich der Bauherr in Anlehnung an die Bauweise der regionalen Scheunen wünschte. Wie die Eichen-Rahmen und -Laibungen der großformatigen Fenster wurde auch die gesamte Schalung mit dunklem Graphit-Leinöl gestrichen, das dem Haus seine besondere monolithische Wirkung verleiht. Hinter der Fassade verbirgt sich allerdings eine überraschende Konstruktion aus Holz – und Beton. Monolithisch in Beton gegossen wurde eine Bodenplatte, aus der sich links und rechts an den Giebelwänden eine Beton-Treppe entwickelt. Eine Mittelwand aus Beton zwischen beiden Treppen sorgt für eine räumliche Trennung der großen, zweigeschossigen Wohnhalle und den dahinterliegenden Nebenräumen.

Aus der Situation heraus – einer demographisch ausgedünnten Region mit wenig verbliebenen Handwerksfachbetrieben – konzipierten die Architekten ihre besondere Baustelle. Um lange Fahrzeiten zu vermeiden, richtete man eine Art Bauhütte ein – Stephan Hahn und zwei Kollegen wohnten für die Zeit des Baus einfach auf der Baustelle. Alles wurde direkt vor Ort gefertigt. Auf dem Grundstück, das nun zum sogenannten Abbundplatz wurde, wurden Hölzer angerissen, bearbeitet und eingepasst. In sieben Wochen wurden alle aufwändigen Holzverbindungen des Holzrahmenbauwerks gefertigt. Gefügt wurde das Tragwerk allein durch Versätze und klassische zimmermannsmäßige Zapfenverbindungen und Holznägel.

Architekt und Objekt

Foto: Gebrüder Martin und Sven Fröhlich (AFF) mit Stephan Hahn Architekt & Zimmerer

Für die Architekten ist der Verzicht auf industriell gefertigte Plattenwerkstoffe Teil ihres Selbstverständnisses: „Die Wertschätzung und die ehrliche Haltung der Konstruktion als Ausdruck und Stolz des wandernden Zimmermannshandwerks.“

Material und Handwerk

Durch seine Arbeit an Bestandsbauten ist dem Zimmermann Stephan Hahn das Bewusstsein für die Qualität und Langlebigkeit traditioneller Holzverbindungen in Fleisch und Blut übergegangen. Die Besinnung auf die grundlegenden Qualitäten des Handwerks ist dabei nicht rückwärtsgewandt. Selbstverständlich stützt sich modernes Handwerk auf Maschinen. Ansonsten ist wirtschaftliches Arbeiten heute nahezu unmöglich. Zapflöcher müssen heute nicht mehr von Hand mit dem Eisen ausgestemmt werden. Wichtig sind die genaue Kenntnis und der Respekt vor dem Material Holz und seinen Eigenschaften. Geplant wurde mit dem Computer – Kettenstemmer, Fräse und Handkreissäge wurden für die Herstellung von Schwalbenschwänzen und Zapfenverbindungen genutzt.

Auf den Einsatz von chemischem Holzschutz konnte allerdings verzichtet werden. Das für die Konstruktion verwendete Holz der Douglasie besitzt mit seinem hohen Harzgehalt einen natürlichen Schutz vor Insekten und Pilzen. Die Stülpschalung der Fassade bekommt ihre besondere Wirkung auch durch die unregelmäßige Form der Bretter, die einfach nur entrindet wurden und entlang einer um das Haus führenden Linie verbaut wurden. Auch im Innenausbau spielte Holz eine wichtige Rolle. Auf der Gebrauchsschalung der Wände aus Kiefernholz wurden schließlich, ganz traditionell Schilfmatten als Träger für den abschließenden Kalkputz befestigt.

Bei den Griffen entschieden sich die beiden Architekten für das FSB-Modell 1004, das von David Chipperfield entworfen wurde. Verbaut wurden sie in hell patinierter und gewachster Bronze. „Die Wahl der handwerklichen Bearbeitung bestimmt auch das Material und dessen Oberfläche. Die Kenntnis über das Material und der Respekt für seine Eigenschaften sind uns genauso wichtig, wie die Verbundenheit zum Natürlichen. So kombinieren sich natürlich behandelte Materialien und Oberflächen zu einem Ganzen. Das Material der Beschläge ist Bestandteil des Konzeptes.“ – so die Architekten selbst zu ihrem ganzheitlichen Entwurfskonzept. Für FSB habe man sich entschieden, da die Firmenphilosophie der eigenen sehr naheliegt: Greifbares Handwerk vereint Einfachheit und klassische Formensprache.

Objektdetails

Fotos: Hans-Christian Schink