German Design Culture

Vom Allerweltsgut zum Kulturgut.

Es hieß, deutsches Design der Moderne sei nüchtern, streng, sachlich und geordnet.

Einige, die Lebensfreude und Glamour vermissten, klagten über Langeweile. Andere begannen in einer Zeit der Funktionsüberfrachtung in der schlichten Form Schönheit und in der präzisen Linie Eleganz zu sehen.

Zu denen, die das Geordnete schätzen, zählt der Apple-Chefdesigner Jonathan Ive. Er nennt als Vorbild seiner Arbeit Dieter Rams, Deutschlands vielleicht bekanntesten Gestalter, der mit seiner Arbeit für Braun über mehr als zwanzig Jahre für das deutsche Design schlechthin stand. Bei seinen iPods oder iPhones für Apple gelten die Formen des Funktionalismus, denen jahrzehntelang Emotionslosigkeit vorgeworfen wurde, als sexy.

Als Keimzelle des Funktionalismus gilt die Ulmer Hochschule für Gestaltung (1954 –1968), die nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem hochgesteckten Ziel gegründet wurde, durch bessere Gestaltung eine gleichermaßen bessere, Demokratische Gesellschaft zu ermöglichen. Hier lehrten und lernten die späteren Koryphäen der deutschen Designgeschichte, hier erfolgten die ersten Kooperationen mit Unternehmen wie Braun, hier keimten die Ideen von der guten, zeitlosen und allein durch ihre Funktion bestimmten Form.


Eine bessere Gesellschaft durch bessere Gestaltung

Auch der Grafiker Otl Aicher unterrichtete als Mitbegründer an der Schule und sollte darüber hinaus das Bild vom deutschen Design über Jahrzehnte prägen: mit dem Erscheinungsbild der Lufthansa oder der Gesamtgestaltung der Olympischen Spiele in München 1972, bei der die Welt nicht zuletzt durch diese visuelle Prägnanz ein neues Bild von Deutschland gewann.

Gemeinsam mit Aicher entwickelte FSB nicht nur ein neues Erscheinungsbild, sondern eine grundlegend neue Designkultur, die neben der Auseinandersetzung mit der Herkunft und Tradition des Unternehmens auf der Kulturgeschichte der Klinke, ja auf der gesamten Geschichte des Greifens basiert.

Dabei entdeckte man die Klinke als Designthema: 1986 lud FSB unter anderem Mario Botta, Peter Eisenman, Hans Hollein, Alessandro Mendini und Dieter Rams zum ersten Klinken-Workshop nach Brakel. Die Ergebnisse und die clevere Aktion selbst machten das Unternehmen binnen kürzester Zeit bekannt.

Was lange als Low-Interest-Produkt gegolten hatte, wurde durch eines der ersten „Autorendesign“-Projekte zu einem gestalterischen Thema, mit dem sich ab sofort bekannte Architekten und Designer auseinandersetzen sollten.

Otl Aicher gestaltete auch das FSB-Logo neu, ausgehend von einem Klinkenentwurf, den der Philosoph Ludwig Wittgenstein – so schlicht wie ein Piktogramm – für das zwischen 1926 und 1928 erbaute Haus seiner Schwester in Wien entworfen hatte.

Vorbild Dieter Rams

Und Aicher ersann die „Vier Gebote des Greifens“, die für die Beurteilung guten Klinkendesigns fortan als Richtschnur dienen sollten: Daumenbremse, Zeigefingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen. 1987 startete FSB eine der wohl umfangreichsten Publikationsreihen eines Unternehmens zur Kulturgeschichte des eigenen Produktes. FSB veröffentlichte Bücher zu Philosophie, Ergonomie, künstlerischen oder sogar literarischen Themen rund um die Klinke.

Das Unternehmen schrieb die Designgeschichte des Türdrückers, der schon in der skandinavischen Moderne, am Bauhaus oder der Hochschule für Gestaltung Ulm ein Thema gewesen war, mit dem sich Gestalter wie Alvar Aalto, Max Bill oder Arne Jacobsen befasst hatten. Die Bücher stießen auf eine derart große Resonanz, dass manche Kritiker witzelten, FSB sei wohl eher ein Verlag, der sich den Luxus leiste, auch Klinken zu produzieren.

Klinke als Designthema

Vom einfachen Metallwarenhersteller aus dem kleinen Brakel hat FSB sich zu einem der renommiertesten designorientierten Unternehmen Deutschlands entwickelt und die Klinke von einem kaum beachteten Allerweltsgut zu einem Kulturgut gemacht. Das mag man geschicktes Marketing nennen, man kann darin aber auch schlicht eine gestalterische Ernsthaftigkeit und Verantwortung sehen, für die das deutsche Design und designorientierte deutsche Unternehmen heute wieder auf der ganzen Welt geschätzt, ja mittlerweile manchmal sogar geliebt werden.



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