Die Schönheit der Patina

Materialität und ästhetische Wirkung.

Seit der Industrialisierung werden Produkte überwiegend seriell in Fabriken hergestellt und an die Stelle des Handwerkers tritt der Designer.

Begeistert wurden neue Formen entworfen und ständig verbessert, denn anfänglich waren die Produkte denen aus traditionellen Werkstätten qualitativ unterlegen. Doch das ist Geschichte. Heute gestatten Markt und Technik nahezu jede Form mit beinahe allen Oberflächen, die denkbar sind. Perfektion kann aber auch mit einer ästhetischen Kälte einhergehen, weswegen die Sehnsucht nach alterndem Material, dem die Spuren der Zeit anzusehen sind, wächst.

Mitte der Neunziger verkündete die niederländische Trendprophetin Li Edelkoort: „Metals will melt into our lives“, und bald sollte unser Leben durchdrungen sein von Aluminium und nichtrostendem Edelstahl.


Schon das gesamte zwanzigste Jahrhundert war geprägt von der Ästhetik industrieller Materialien, die nichts mehr mit dem Geschmiedeten und Gehämmerten des Handwerks zu tun haben wollten: Heizungsrohre aus Stahl signalisierten bei Mart Stams Freischwingern serielle Fertigung, chromblitzend fuhren die Limousinen in den Fünfzigern in eine strahlende Zukunft und auch in Andy Warhols „Silver Factory“ feierte man die Verheißungen einer neuen Zeit, die es in silbernen Raumkapseln bis auf den Mond bringen sollte.

In den Neunzigern dann breitete sich Silber geradezu inflationär aus – vom Küchengerät über den Laptop bis hin zur Waschmaschine – und brachte den Glanz von Hightech, Solidität und Präzision selbst auf billige Plastikprodukte im „Edelstahl-Look“: Was sich mit dem Attribut „Design“ schmücken wollte, war mattsilbern und wurde – ebenso wie das Indigoblau der Jeans – in seiner Omnipräsent fast schon wieder unsichtbar und beliebig.

Seit einigen Jahren entdecken wir deshalb die Schönheit all der Materialien wieder, die den Menschen schon seit Jahrtausenden begleiten: Gold und Kupfer, Legierungen wie Messing oder Bronze berichten von Handwerkskultur und Erfindergeist des Menschen. Sie kontrastieren mit ihrer handwerklichen Anmutung unsere hoch technologisierte Zeit, in der Toleranzen nicht mehr in Fingerbreiten, sondern in Nanometern und Pixeln gemessen werden.

Und so finden sie sich seit kurzem auch bei zahlreichen Avantgarde-Designern auf den Messen in Köln, Mailand, London oder New York: Der Brite Tom Dixon feiert warme Materialien mit Trauben kupferner Kugelleuchten, mit Leuchtenschirmen aus Messing oder zeitgenössischen Formen in grobem Gusseisen. Der Schweizer Alfredo Häberli überträgt bei seiner Konzeptküche für Schiffini das traditionelle Kochtopfmaterial Kupfer auf Küchenfronten und gesteht ihnen Fingerabdrücke zu. Und auch FSB hat den schlichten und zurückhaltenden Edelstahlklinken solche aus Bronze zur Seite gestellt, die im Laufe der Zeit patinieren und dabei immer schöner werden.

Wie Messing ist auch Bronze kein Naturprodukt, sondern das Ergebnis menschlichen Erfindungsgeistes. Bronze besteht aus einer Legierung von Kupfer und Zinn.

Während reines Kupfer relativ weich ist, weist Bronze durch seinen Zinnanteil eine hohe Festigkeit und Härte auf. Des Weiteren ist Bronze sehr korrosions- und verschleißfest. Die von FSB verarbeiteten Legierungen haben einen Zinnanteil von acht Prozent. Mit der Benutzung bilden die Beschläge eine Patina und dunkeln nach. FSB poliert und wachst die Oberflächen, so dass sie einen feinen Glanz erhalten. Zusätzlich werden vorpatinierte Ausführungen in hell und dunkel angeboten.


Mit der Digitalisierung unserer Welt beginnen die Dinge zu verschwinden und Designer fangen an, den Wert von Materialität und Handwerkstradition zu schätzen. Sie spielen mit Gestricktem, Gewebtem, In-Form-Gegossenem oder Handpoliertem, zitieren archetypische Formen oder vertraute Ornamente und machen auch Alterung, Oxidation und Grünspan zu bewusst geplanten Elementen. Nutzungsspuren und Patina erzählen die Geschichten, die im Zeitalter des Virtuellen für den Bezug zu einer bedrohten gegenständlichen Welt, für Authentizität und Ehrlichkeit stehen.

Die Retro-Welle der letzten Jahre ließ dabei auch einen neuen Blick auf die Designgeschichte zu: Was lange als spießig und überholt gegolten hatte, wurde – entfacht durch die britische Zeitschrift „Wallpaper“ – stilbildend: Designklassiker wie die 1958 von Poul Henningsen entworfene „Artischocken“-Leuchte, der Lounge-Chair von Charles und Ray Eames von 1956, die Baumtische und Messingarbeiten des Österreichers Carl Auböck oder Arne Jacobsens Egg Chair von 1958, der zu seinem 50. Jubiläum – wie sollte es anders sein – als limitierte Edition mit Bronzefuß und dunkelbraunem Leder aufgelegt wurde.

Selbst Goldenes, das noch vor kurzem in keinem Haushalt, der sich für geschmackvoll hielt, geduldet worden wäre, ist zum Code der Coolness avanciert. Es findet sich im „Bling-Bling“ der Rapper, im goldenen Mailänder Restaurant von Dolce & Gabbana oder bei goldenen Wasserhähnen, die es lange nur noch in europäischen Romantikhotels oder orientalischen Protzburgen gab. In Hölzern wie Teak, Palisander oder Wenge und Metallen wie Messing, Kupfer und Bronze zeigt sich eine Neubewertung der Vergangenheit.

Es sind die Materialien einer Zeit, die perfekte Funktion als selbstverständlich voraussetzt und sie deshalb nicht mehr mit Industrieästhetik und Hightech-Anmutung demonstrieren muss. Sie weisen der Moderne einen Platz in der Geschichte zu und zeigen die Wertschätzung handwerklicher Traditionen. Sie stehen für die Suche nach verloren geglaubten Werten, nach Beständigkeit, Verlässlichkeit, Wärme und Behaglichkeit. Mit dem Charme der Patina und den Spuren des Gebrauchs verschmelzen sie im Laufe der Zeit mit unserem Leben – Li Edelkoort wusste das schon lange.



Hinweis: Sie haben JavaScript deaktiviert.
Leider kann diese Webseite deshalb nicht dargestellt werden.
Bitte aktivieren Sie JavaScript, um fsb.de anzeigen zu können.
Hinweis: Sie haben Cookies deaktiviert.
Leider kann diese Webseite deshalb nicht dargestellt werden.
Bitte aktivieren Sie Cookies, um fsb.de anzeigen zu können.
Hinweis: Sie verwenden eine veraltete Version Ihres Webbrowsers.
Leider kann diese Webseite deshalb nicht dargestellt werden.
Wechseln Sie möglichst bald auf einen aktuellen und sicheren Browser.
Bitte deaktivieren Sie ggf. den Kompatibilitätsmodus Ihres Internet Explorers.