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Göttliches Bauen

Sakrale Architektur der Gegenwart

28.12.19

Rund 440.000 Menschen traten 2018 in Deutschland aus der Kirche aus. Und dennoch entstehen immer wieder neue Orte für den Glauben, und sakrale Bestandsgebäude werden saniert. Eine behutsame gestalterische Hand ist gefragt, wenn zeitgemäße Räume für Religionen geschaffen werden sollen.

Wahre Spezialisten auf diesem Gebiet sind die Architekten Bayer Uhrig aus Kaiserslautern, die regelmäßig Kirchen um- und neu bauen. 2015 sanierten sie die Christuskirche in Bruchhof-Sanddorf integrierten das Gemeindehaus in das Kirchengebäude. Idyllisch von einem kleinen Wäldchen umgeben, datiert der Bau auf 1928.

„Einen Sakralbau zu entwerfen war immer schon eine der größten Herausforderungen für Architekten“, so der verantwortliche Architekt Dirk Bayer. „Über die reine Zweckerfüllung und formal-ästhetische Ansprüche hinaus Räume zu schaffen, in denen sich das Spirituelle entfalten kann, erfordert gestalterische Sicherheit und Einfühlungsvermögen in liturgische und gesellschaftliche Zusammenhänge.“

Fingerspitzengefühl ist bei dieser Bauaufgabe also gefragt. Bayer sieht hier vielerorts Defizite in der Realisierung: „Statt einem konzeptionellen Überbau bezüglich Material, Konstruktion, funktionaler Zusammenhänge und der sich daraus ergebenden Ausstrahlung, Atmosphäre und Haptik zu folgen, greift man gerne auf die konfektionierten Lösungsansätze der Industrie und Baumärkte zurück.“

Für ihr Projekt in Bruchhof–Sanddorf verkleinerten die Architekten den liturgische Raum, drehten ihn um 90 Grad, reduzierten auch die vorhandene Empore und ergänzten eine zweite. So entstand ein „Haus im Haus“ im achteckigen Kirchenraum. Lärchenholz an den Wänden, farbige Fliesen am Boden und Details wie die Fenstergriffe aus der FSB-Serie 1004 an den schlanken Stahlfenstern, die von innen vor die bestehenden Buntglasfenster gesetzt wurden, schaffen eine heimelige und zugleich hochwertige Atmosphäre.

Der Umbau der Christuskirche Homburg / Bruchhof – Sanddorf von Bayer Uhrig Architekten
(Foto: Sven Paustian)

Bayer Uhrig Architekten haben das Projekt in einer Arbeitsgemeinschaft mit Modersohn Freiesleben Architekten umgesetzt.
(Foto: Sven Paustian)

Teil der neuen Innenausstattung der Kirche: bronzene Beschläge aus der Produktfamilie FSB 1004

Einer der bemerkenswertesten Kirchenneubauten der vergangenen Jahre: die Katholische Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig vom Architekturbüro Schulz und Schulz.
(Foto: Stefan Müller)

Katholische Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig
(Foto: Stefan Müller)

Dass eine Kirche vor allem ein atmosphärischer, idealerweise von Geborgenheit und Ruhe geprägter Ort ist, zeigt auch der britische Stararchitekt John Pawson aus London mit seiner Sanierung der Augsburger Moritzkirche. Der Bau blickt auf eine fast tausend Jahre andauernde Geschichte zurück.

Ziel war es, den Innenraum in ästhetischer, funktionaler und liturgischer Weise mit sensiblen Eingriffen neu zu fassen. Jedes Detail spielt in den neuen, klar strukturierten Kirchenräumen eine Rolle, das Hauptaugenmerk legte der Brite auf das Erscheinungsbild der Apsis.

Bekannt für seinen reduzierten Stil, gestaltete Pawson die Apsis, den Raum der Sehnsucht, als reinen Lichtraum und zugleich hellsten Bereich im Kirchenraum. Mit seinem Minimalismus setzt Pawson subtil Akzente und erzeugt auf diese Weise eine hohe atmosphärische Dichte und Konzentration auf das Wesentliche.

Der britische Architekt John Pawson hat den Sakralraum der Kirche St. Moritz in Augsburg neugestaltet.

(beide Fotos: Gilbert McCarragher)

Haus of One

Ein außergewöhnlicher sakraler Neubau entsteht mit dem „House of One“ derzeit am Berliner Petriplatz. Weltweit einmalig bekommen hier Juden, Christen und Muslime ein gemeinsames Dach, das Synagoge, Kirche und Moschee miteinander vereint.

Von außen bleibt der massive Sichtziegelbau von Kuehn Malvezzi Architekten (Berlin) frei von eindeutiger religiöser Symbolik. Im Innern werden die Einrichtungen der drei Religionen als heterogene Raumkörper um einen zentralen Platz – ein hoher Kuppelsaal im Zentrum – angeordnet.

Klar gegliedert, steht das Projekt dafür, durch Austausch voneinander zu lernen und nicht zuletzt auch mit den Mitteln der Architektur das Verbindende in den Religionen zu suchen.

Sakralbau ohne Vorbild: Kuehn Malvezzi Architekten haben das „House of One“ entworfen, ein Haus, das Räume Juden, Christen und Muslime umfasst.
(Visualisierung: Kuehn Malvezzi, Modellfotos vor Ort: © Kuehn Malvezzi, Foto: Ulrich Schwarz)

Das „House of One“ wird in Berlin errichtet, die Gründungsarbeiten sind abgeschlossen, demnächst der Grundstein gelegt.
(Visualisierung: Kuehn Malvezzi, Modellfotos vor Ort: © Kuehn Malvezzi, Foto: Ulrich Schwarz)

Das „House of One“ finanziert sich aus Spenden und öffentlichen Geldern.
(Schnittperspektive: © Kuehn Malvezzi)

Text: Bettina Krause

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