Museum M9, Mestre

Sauerbruch Hutton

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Stadterneuerung im Hinterhof Venedigs

Seit 1929 ist Mestre Teil der Kommune Venedig. Hier auf dem Festland leben heute rund vier Fünftel der 270 000 Venezianer – arbeiten gehen sie vor allem in Venedig, wo der Tourismus immer wahnsinnigere Ausmaße annimmt. Als „Hinterhof“ Venedigs hat Mestre lange ein Schattendasein geführt. Wer sich die immer weniger werdenden Wohnungen in Venedig nicht (mehr) leisten kann, wohnt eben in Mestre. Seit einiger Zeit sucht Mestre, das mit einer steigenden Zahl an Hotels längst von den jährlich 30 Millionen Venedig-Touristen finanziell profitiert, auch kulturell aufzuschließen. Teil dieser Entwicklung war auch der 2010 ausgeschriebene Wettbewerb für das „M9 New Museum for a New City“, den das Berliner Büro Sauerbruch Hutton Architekten für sich entscheiden konnte.

In Berlin kennt man die Architektur von Sauerbuch Hutton vor allem durch das frühere GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße, das als 17-Geschosser vor allem durch seine in unterschiedlichen Rot-Tönen strahlende Fassade auffällt, die durch deren verschiedenfarbige Läden erzeugt wird. Die Außenwand des Museums-Neubaus ist verkleidet mit horizontalen Keramikstreifen in unterschiedlichen Farbgebungen, die sich an der venezianischen Bebauung und ihrer traditionellen, erdigen Tonalität zwischen Oxydrot, Ocker und Oxydgrün orientiert.

Der ebenfalls zum Projekt gehörende hofumschließende Vierflügelbau aus dem späten 16. Jahrhundert, den die Architekten einer Sanierung und Umnutzung unterzogen haben, wird vor allem für Geschäfte und Gastronomie genutzt. Alles mit dem großen Ziel, der Stadt Mestre ein lebendiges Zentrum zu schenken, das zu allererst Attraktivität für seine Bewohner bietet. So soll demnächst auch ein Coworking Space in einem der Gebäude eröffnen und vor allem junge Leute ins Quartier locken. Der große Innenhof des ehemaligen Konvents wird das Viertel mit ganzjährig stattfindenden Veranstaltungen beleben und wurde dafür mit einer leichten, über dem Altbaudach schwebend angelegten Membran-Konstruktion überdacht.

Architekt und Objekt

Foto: © Claire Laude

„Zentrales Bild für unseren Entwurf des M9 ist die traditionelle italienische Stadt mit ihren Plätzen, Straßen und Gassen – und mit dem italienischen Leben im Freien“, so die Architekten selbst.

Öffentliches Leben zwischen Via, Piazzetta und Piazza

Der eigentliche Mittelpunkt des Entwurfs ist die neu geschaffene Wegeverbindung, die sich als zentrale Erschließungsachse zwischen dem aus zwei Teilen bestehenden Neubau-Ensemble und durch den jetzt überdachten Innenhof des alten Konvents hindurchzieht. Sie eröffnet eine neue Achse zwischen der Piazza Erminio Ferretto und der belebten Einkaufsstraße Via Cappuccina und macht gleichzeitig das bisher für die Bevölkerung verschlossenen Blockinnere zugänglich, wo eine neu angelegte Piazzetta zum Aufenthalt einlädt. Restaurants und Geschäfte in den alten Arkaden beleben den Innenhof. Mit der Teilung des Raumprogramms in ein Hauptgebäude und einen kleineren Bau, der für Service und Verwaltung zur Verfügung steht, fügt sich das M9 gut in das bestehende kleinteilige Stadtgewebe Mestres ein.

Auch an anderen Stellen im Stadtbild sorgt der Eingriff für eine Bewegung hin zu mehr Öffentlichkeit und Leben. Mit einer energetisch optimierten Fassade öffnet sich ein Bestands-Bürogebäude mit neuem Schaufenster zur Via Poerio und sorgt dort für frischen Wind. Öffentlichkeit ist auch im Museumsgebäude des M9 vorgesehen. Das Erdgeschoss im spitzwinkligen Bug des Baus soll mit seinem großen Amphitheater bis in die Nacht geöffnet bleiben. Dieses wurde auch als Kinosaal konzipiert, um einen zusätzlichen Schauplatz für die Filmfestspiele von Venedig zu schaffen. So profitiert Mestre nun auch auf kultureller Ebene vom Erfolg der Lagunenstadt. Bleibt abzuwarten, ob die Entwicklung, die der Stadtteil auf dem Festland künftig nehmen wird, ebenso behutsam und an den Bewohnern der Stadt orientiert bleibt, wie das Projekt der Architekten von Sauerbruch Hutton – oder ob ihm ein ähnliches Schicksal wie Venedig blüht.

Die Auswahl der Griffe lag in diesem Fall sehr nahe: Die Architekten entschieden sich für ein Design aus eigener Feder. Die FSB-Modellreihen 1230 und 1231 wurden vom Architektenpaar Hutton und Sauerbruch eigens entworfen und passen so perfekt zum Gesamtentwurf des M9. Eine filigrane, mehrfach geschwungene Form, deren Handhabe sich dem Greifenden gewissermaßen entgegenreckt, sitzt auf einem kurzen Hals, der dafür sorgt, dass das Modell auf unterschiedlichste Türtypen und Anwendungsfälle passt. Für Rahmentüren entfällt die Notwendigkeit einer verkröpften Variante. Verbaut sind die Griffe mit einer schwarz eloxierten mikrogestrahlten Oberfläche, die perfekt zu den schwarz-grauen Fassadenprofilen und Ausbauelementen passt. Die rauere Oberfläche sorgt für eine besonders angenehme Haptik. Neben den Fenster- und Türgriffen kamen auch FSB Panik-Stangenbeschläge zum Einsatz.

Lesen Sie ein aktuelles Interview mit Sauerbruch Hutton im FSB Blog.

Objektdetails

Fotos: Jan Bitter Fotografie

Standort

Museo M9 Mestre

Via Giovanni Pascoli, 11
30171 Mestre VE
Italien

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