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Hintergrundrauschen

Ein kurzer Film über den Schrecken

Wir von FSB werfen gerne und regelmäßig einen Blick über den ostwestfälischen Tellerrand – und interessieren uns dabei auch für Themen, die auf den ersten Blick nichts mit Greifen und Griffen zu tun haben. Des Öfteren lassen wir uns von Menschen inspirieren, die ganz am Anfang ihres beruflichen Werdegangs stehen: Studentinnen und Studenten aus unterschiedlichsten Fachrichtungen. Denn wer beherrscht es besser, um die Ecke zu denken und losgelöst von unternehmerischen Vorgaben nach unkonventionellen Ansätzen zu fahnden und unerwartete Sichtweisen zu entwickeln? So freuen wir uns darüber, den Lernenden (und Lehrenden) der Karlsruher Hochschule für Gestaltung bei Semesterprojekten mit einem Scherflein zur Seite stehen zu dürfen. Erste Frucht dieser Kooperation ist der Film "Hintergrundrauschen". Zehn Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Szenografie haben sich im Wintersemester 2009/2010 mit der räumlichen Inszenierung des Schreckens befasst und ihm in eindrücklichen Bildern ein Gesicht verliehen.



Aber warum packt uns der Schrecken überhaupt? Kern des Schreckens ist das Wissen über die Endlichkeit menschlicher Existenz – über den unausweichlichen und für uns unbeherrschbaren Tod. Da sich der Mensch ungern mit unangenehmen Tatsachen wie dieser auseinandersetzt, bietet sich der künstlichen und künstlerischen Inszenierung hier ein weites Feld zur Aufbereitung und Interpretation.

Der "Schrecken" kommt dabei oft besser weg, als man gemeinhin annehmen sollte: Er wappnet uns für bedrohliche Situationen und trainiert unser Schutz- und Fluchtverhalten. Als Simulator des Ernstfalles ist er zugleich Kern der von Aristoteles beschriebenen Wirkmechanismen des antiken Dramas. Der inszenierte Schrecken tritt an die Stelle tierischer Instinkte und ist damit ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Menschwerdung.
Dem Schrecken wusste auch schon unser großer Vordenker und Dichter Goethe geschickt eine Bühne zu bereiten. So z. B. in seinem berühmten Gedicht "Wanderers Nachtlied": Hier entpuppt sich eine auf den ersten Blick friedvolle Abendidylle beim zweiten Hinsehen als Todesstarre der Natur und des Kosmos, ohne dass die Worte auch nur um einen Deut verändert worden wären.

Für diese Dialektik Bilder zu finden, war die Aufgabe, die zu dem Film "Hintergrundrauschen" geführt hat. Das sogenannte Hintergrundrauschen – der Nachhall des Urknalls – erinnert uns an daran, dass alles, was einen Anfang hat, unweigerlich auch ein Ende haben muss. Den Studentinnen und Studenten ging es nicht darum, das Gedicht Goethes zu illustrieren, auch wenn einzelne Bildmotive – die horizontale und die vertikale Perspektive, der Wald, die Stille und der Hauch des Todes – verwendet wurden. Vielmehr wird in verschiedenen Episoden, die das Wandeln der Protagonistin durch die äußere Welt zeigen, jenem inneren Perspektivwechsel nachgegangen, der dem ‚zweiten Blick’ auf Goethes Gedicht entspricht. Dabei lag – neben der künstlerischen Gestaltung – auch die gesamte Organisation der Produktion in den Händen der Studierenden, die sich dafür entschieden, für Kamera und Schnitt professionelle Unterstützung zu engagieren.

Neben dem Film ist von einer zweiten Studentengruppe des Seminars eine performative Inszenierung im Stadtraum von Karlsruhe realisiert worden, die vom 11. bis 13. Februar 2010 zu sehen war: Jeweils ein Zuschauer wurde auf einer Autofahrt Teilnehmer einer Inszenierung, bei der sich "künstliche" und "wirkliche" Wirklichkeit kaum noch unterscheidbar vermischten.

Die Aufteilung der Gruppen erfolgte dabei erst nach einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit Texten und Referaten zum Thema "Schrecken", als deren Ergebnis der Text des Goethe-Gedichtes als Grundlage für beide Projekte festgelegt wurde. Der Umsetzungsprozess war von regem Austausch zwischen beiden Gruppen und wechselseitiger Inspiration geprägt: Motive, Bilder, Schauplätze wurden gegenseitig übernommen und erscheinen in beiden künstlerischen Realisierungen in jeweils unterschiedlichen Bedeutungen und Perspektiven.


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