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Zugänge – Ausgänge

Gedichte von Peter Maiwald sowie Textbeiträge von
Jürgen W. Braun und Marcel Reich-Ranicki
Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 1989

Mit dem Buchtitel "Zugänge – Ausgänge" entstanden zwei Bände der FSB-Edition. Zum einen Band 5: die Fotostudie von Timm Rautert mit kontrapunktisch laufenden Wortbildern des Literaten Jürgen Becker, zum anderen Band 4: das Leporello mit Gedichten von Peter Maiwald. Otl Aicher war anfangs skeptisch gegenüber dem Maiwald-Projekt, hatte aber schließlich nichts dagegen: "Machen Sie ruhig Ihren verrückten Gedichtband", war einer seiner liebevolleren Kommentare. Die von Sepp Landsbek entwickelte Leporello-Form gefiel ihm dann aber doch ganz gut.

Wie kommt ein Industrieunternehmen an Dichter und Literaten? Im Falle der Fotostudie von Timm Rautert war es Otl Aicher gewesen, der uns über Hans Magnus Enzensberger zu Jürgen Becker geführt hatte. Anders bei Band 4. Da hatten wir selbst die Sache in die Hand genommen und uns direkt an den von den einen als Literaturpapst gefeierten, von den andern als Verreißwolf geschmähten Frankfurter Kritiker Marcel Reich-Ranicki gewandt. Der schrieb FSB am 27. August 1987, er könne gerne einen Dichter empfehlen: "Aber erst müsse einmal gesagt werden, welcher Fonds für die Arbeit zur Verfügung stehe." Im Verlauf eines Telefongespräches einigten wir uns auf "den berühmten Hungerlohn" der Dichter und erhielten als Gegenleistung die Adresse von Peter Maiwald.Ein Jahr später legte Maiwald dem Unternehmen gleich zwei Gedichtsammlungen vor, eine mit hohem Anspruch – wir nannten sie „Erwachsenengedichte“ – und eine der leichten Muse. Wir nannten sie "Kindergedichte" – und entschieden uns für diese.

Die konzeptionelle Grundidee von Band 4 war ein – zugegeben gewagtes – Gleichnis: Was das Gedicht für die Sprache ist, nämlich deren schönste Ausprägung und Zierde, ist durchaus vergleichbar mit der Position der Türklinke auf der großen nackten Brettertür. Aber unser Ehrgeiz mit diesem Projekt ging noch weiter: Wir wollten mit dem Maiwald-Band die so genannte "Enzensberger’sche Konstante" widerlegen, wonach von einem Gedichtband nie mehr als 1354 Exemplare abgesetzt würden (und sich die Veröffentlichung von Gedichten deshalb heutzutage nicht mehr lohne). Dieser These stellte FSB die „ostwestfälische Unschärferelation“ entgegen, wohl wissend, dass der Gedichtband von Peter Maiwald (so, wie alle anderen Bände der FSB-Edition auch) mindestens 6000 Abnehmer finden würde. Hans Magnus Enzensberger nahm die Niederlage gelassen und gratulierte dem Kollegen Maiwald zu dem schönen Leporello.


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