

Als wir 1985 bei Otl Aicher in Rotis an die Tür klopften, schickte der uns erst mal wieder nach Hause. Wir sollten in Ruhe darüber nachdenken, was wir in Brakel seit 100 Jahren täten. Als FSB nach einigen Monaten des Nachdenkens Otl Aicher meldete, man tue seit 1881 eigentlich immer das Gleiche, nämlich Artefakte für die menschliche Hand herzustellen, war Aicher zufrieden. Er vereinbarte mit den Ostwestfalen einen Besuchstermin im Nethegau.
Otl Aicher ließ sich im Juni 1986 in Brakel nicht nur die Fertigung zeigen, er wollte auch die Vorgängergeneration der Inhaber und Werktätigen kennen lernen. So kam es, dass er sich auch mit dem greisen Johannes Potente traf, um sich mit ihm eine Stunde lang über dessen Ziseleurausbildung, sein Gastspiel an der Fachhochschule Pforzheim im Jahr 1933 sowie über Potentes Hobbys zu unterhalten. Vom Management wollte Aicher wissen, was man denn für die nächsten zwei bis drei Jahre so alles plane.
Stolz erzählte der neue Geschäftsführer, man werde im nächsten Jahr mit den weltberühmtesten Designern und Architekten den ersten Türklinken-Workshop der Welt abhalten, und das mitten im Weserbergland. Aicher fragte nach Einzelheiten, und als er Namen wie Hans Hollein, Peter Eisenman, Mario Botta und Alessandro Mendini hörte, schüttelte er den Kopf. Mit diesem postmodernen Tun wolle er nichts zu tun haben. Er riet dringend von der Veranstaltung ab. Leider oder zum Glück waren die Vorbereitungen aber bereits so weit gediehen, dass FSB das Projekt nicht mehr stoppen konnte.
Interessanterweise hatte seinerzeit nicht nur Otl Aicher so reagiert. Auch die Vorgängergeneration der Türklinkenbauer aus dem Weserbergland stand der Aktion der "jungen Wilden" sehr skeptisch gegenüber. Die Anteilseigner von FSB distanzierten sich ausdrücklich, die alten Meister sprachen von Größenwahn. In Brakel kursierte das Gerücht, dem Traditionsunternehmen stehe ein großer Flop bevor.
Es kam anders. Der erste Klinken-Design-Workshop wurde zu einem weltweiten Medienereignis. Über Nacht wurde aus "nowhere", so bezeichnete Peter Eisenman den Ort Brakel, ein in der weiten Welt des Designs bekannter und geschätzter Zielort. Selbst Otl Aicher schien vor dem Marketingereignis den Hut zu ziehen, schlug er doch vor, die Ereignisse in einem eigenen Band der FSB-Edition festzuhalten. Was FSB damals nicht wissen konnte: Aicher hatte bereits begonnen, in seinem Kopf die Worte seiner Abrechnung mit dem ihm verhassten Ereignis zu sammeln.