Keyvisual Edition
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Gesten

Ein Buchprojekt von Fotografie-Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig unter der Leitung von Timm Rautert
Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 1996
ISBN 3-88375-231-2

Im Herbst 1993 wurde Timm Rautert als Professor für den Fachbereich künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig berufen. Als FSB ihm als treuem Freund des Hauses und altem Wegbegleiter ( "Annentag in Brakel", "Zugänge – Ausgänge" ) Glückwünsche übermittelte, fragte er nach, ob er mit seinen Studenten im Rahmen der FSB-Edition nicht ein weiteres fotografisches Projekt in Angriff nehmen dürfe. FSB erinnerte ihn an Otl Aichers alten Traum, in der FSB-Edition eine Reportage über arbeitende Hände zu veröffentlichen. Der frischgebackene Herr Professor horchte auf – und griff sofort zu.

Über mehrere Semester hinweg entstand in Leipzig ein aufwendiges Buchprojekt. FSB wurde bei verschiedenen Besuchen mit immer neuen Überraschungen konfrontiert. Zum Beispiel mit der "Straße der Besten", einer in der ehemaligen DDR üblichen Bilderserie: Man lichtete das Kollektiv einer erfolgreichen Arbeitsgruppe ab und hängte sie als Vorbild in den Schaukasten des volkseigenen Betriebs. Durch Zufall war einer von Rauterts Studenten auf solche Bilder gestoßen. Das Besondere an der von ihm gefundenen "Straße": Man sieht darauf keine Hände. Alle Arbeiter haben die Hände auf dem Rücken gekreuzt. Der damalige Rektor der Hochschule, Albrecht von Bodecker, interpretierte diese Haltung mit dem Satz, diese "Besten" würden sich virtuell hinterrücks die Hände reichen. Dies wiederum spiegele eine typische Befindlichkeit aus jener Zeit wider. Hierzu berief er sich auf einen Spruch Goethes an Schiller aus dem Jahre 1795: "Wenn sich die Gleichgesinnten nicht anfassen, was soll aus der Gesellschaft und der Geselligkeit werden."

FSB ist auf Band 12 der FSB-Edition besonders stolz, gab er uns doch die Gelegenheit, eine moralische Dankesschuld abzustatten. Das Unternehmen hat nach den Jahren der Wiedervereinigung als Zulieferer der Bauindustrie vom Boom der Wiedervereinigung profitiert. Nun konnten wir mit der Finanzierung dieses aufwendigen Buchprojektes einen Teil dessen zurückgeben, was wir zuvor durch den Verkauf von Türklinken aus den fünf neuen Bundesländern in Mark und Pfennig erhalten hatten. Nehmen und geben ist nicht nur eine brauchbare kapitalistische, sondern auch eine sehr gute demokratische Grundregel.


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