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Begreifbare Baukunst

Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur

Mit der Ausstellung „Begreifbare Baukunst - zur Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“ haben wir einen Blick auf das Miteinander von Architektur und einem ihrer kleinsten gestaltbaren Bestandteile geworfen: dem Türgriff. Türgriffe bzw. Türklinken sind Architektur en miniature und spiegeln in Form und Gebrauch die gestalterische Haltung ihrer Entwerfer wider.

Wir sind der Meinung, dass die Entscheidung für einen Türgriff immer im Kontext mit der umgebenden Architektur zu treffen ist. In seiner Gestaltung komprimiert sich die Sprache des Raumes. Er wird zu einem harmonischen Teil des Ganzen – oder akzentuiert ganz bewusst einen formalen Widerspruch. FSB motiviert dazu, sich gegen Einheitslösungen zu entscheiden: Unser umfang­reiches Sortiment hält adäquate Entwürfe für jedwede Ausprägung zeitgenössischer und klassischer Architektur bereit.

Im Rahmen der Ausstellung wurden symbiotische Verbindungen von Architektur und Türgriff aus Vergangenheit und Gegenwart gezeigt. Neben Objekten von Karl Friedrich Schinkel, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens war u. a. der Türdrücker zu sehen (und zu „begreifen“), den Walter Gropius gemeinsam mit seinem Büroleiter Adolf Meyer im Jahre 1922 für das Fagus-Werk in Alfeld a. d. Leine entwickelte. Ein Jahr später präsentierte man den schnörkellosen Beschlag im Weimarer Musterhaus am Horn einer staunenden Öffentlichkeit. FSB inspirierte diese Klinke, ausgehend vom Bau­haus über Architekturen für die Hand nachzudenken.

An der Ent­stehung des Gesamtkunstwerks „Bauhaus“ wirkten Künstler unterschiedlicher Strömungen mit, die sich letztlich vor allem durch zwei grundsätzliche Tendenzen voneinander abgrenzten. Während die einen mit elementaren Formen und Farben die Gestaltungs­maximen der Entgegenständlichung und der Abstrak­tion vorantrieben, entwickelten die anderen neue skulpturale Formen gegen die Schmucklosigkeit der Moderne – und doch zugleich aus ihr heraus.

Auch im Nachkriegseuropa wirkte die Strahlkraft des Bauhauses fort – und mit ihr die Debatte um Inhalt und Form einer zeitgerechten Gestaltung. So z. B. mit der Hand­schrift Le Corbusiers: Seine 1955 eingeweihte Kapelle mit ihren gegeneinander schwingenden Wandscheiben, den tiefen Nischen und Laibungen und dem überhängenden Dach zeugt von einem späten Übergang zur skulptu­ralen Form. Für den kleinen Sakral­bau entwarf er eine große Pro­zessionstür, der eine bronzene Plastik als Griff dient.

Dem gegenüber stand der eingeschossige Kanzlerbungalow, den der Architekt Sep Ruf Anfang der 1960er Jahre im Auftrage Ludwig Erhards entwarf, dem Selbstverständnis der jungen Bundes­republik gut zu Gesicht. Hier demonstrierte man mit architektonischen Mitteln den geistig-politischen Neubeginn und zeigte eine neue weltoffene Haltung, die sich in der transparenten Gesamter­scheinung und dem rings­um schwellenlosen Zugang zum Haus offenbart. Bei diesem Bau­werk reichen sich eine alles Dekorative ausschließende Gebäude­architektur und eine unprätentiöse Griff­gestaltung die sprichwört­lichen Hände: Für die große gläserne Schiebetür entwarf Ruf einen puristischen Stoßgriff – ein schwarzes Quadrat, das seitlich von einem vertikalem Aluminiumprofil flankiert wird.

Auch heute noch gelten vom Bauhaus inspirierte Gebrauchs­gegen­stände als Bezugspunkte für gute Gestaltung. Auch heute noch entwerfen Architekten individuelle Türdrücker für ihre Bauten. Dass sie hierbei immer wieder die Zusammenarbeit mit FSB suchen, ist kein Zufall: Wie kaum ein anderer Hersteller von Tür- und Fenster­beschlägen suchen wir die Auseinander­setzung mit Architekten und Designern, um formvollendete und zugleich funktionale Tür­öffner zu entwickeln, die der umgebenden Architektur in jeder Hin­sicht gerecht werden. Dabei ziehen wir nach wie vor die vier Gebote des Greifens zu Rate, die der Designer und Mitbegründer der Ulmer „hochschule für gestaltung“ Otl Aicher vor 25 Jahren für uns postulierte: Nur der Türdrücker wird seiner Aufgabe gerecht, der Daumenbremse, Zeigefinger­kuhle, Ballen­stütze und Greifvolu­men aufweist. Nicht erst seit dem legendären Brakeler Design-Workshop im Jahre 1986, in dessen Zuge weltbekannte Gestalter Entwürfe erarbeiteten, widmen wir uns der Suche nach den idealen Werkzeugen zum Öffnen von Räumen und Erschließen von Ge­bäuden – ganz gleich ob „analoger“ Tür- bzw. Fenstergriff oder „digitale“ Zutrittskontroll­lösung, wie z. B. der biometrische Finger­scan-Türgriff 2.0

Die Ausstellung präsentierte alte und neue „Werkzeuge zur Ver­längerung der Hand“ im Zusammenhang mit der Architektur, für die sie entworfen wurden und fordert dazu auf, die Entscheidung für einen Türgriff als integralen Bestandteil des Bauens zu betrachten.


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