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Wohntürme am Westkai 

Hafen Antwerpen, Kattendijkdok 

Der Blick schweift über das alte Hafenbecken des Antwerpener Westkais, dort wo sich Docklands und Altstadt treffen. Backsteinlagerhallen, vereinzelte Kräne, anliegend altstädtische Wohnhäuser. Ein bekanntes Bild. Doch dann erfassen die Augen zwei Türme. Um Längen überragen sie die umliegende Bebauung. Noch wirken sie recht einsam. Lediglich das neue Museum am Strom in der Nachbarschaft gesellt sich ob seiner modernen Baustruktur zu ihnen. Sie sind der Beginn eines weitreichenden Wandels, der in den nächsten Jahren die gesamten Docklands von Antwerpen erfassen wird. Revitalisierung alter Hafenanlagen nennt sich dieser Prozess, in dessen Verlauf sich Wohn- und Kulturbauten das maritime und industrielle Flair von Docklands aneignen.

Die beiden Wohntürme am Kattendijkdok, geplant und realisiert vom Berliner Büro der Architekten Diener & Diener (Basel/Berlin), bilden den Auftakt zur dortigen Hafenrandbebauung. Vier weitere Türme, zwei werden von David Chipperfield, die anderen beiden von Gigon/Guyer entworfen, kommen in den nächsten Jahren hinzu. „Die Hochhäuser kündigen die beginnende Urbanisierung des Hafens an, und ihre Position markiert die vor kurzem eingeführte Kulturachse zwischen der Altstadt und dem Hafengebiet im Norden“, so die Architekten. Außergewöhnlicher Ort trifft außergewöhnliche Architektur heißt es bei dem Projektentwickler Project², der die gesamte Hafenumstrukturierung plant.

Die Aufgabe war keine leichte für Diener & Diener. Einerseits waren durch den städtischen Masterplan sehr genaue Vorgaben bezüglich Standort und Fassadengestaltung zu erfüllen, andererseits trat Project² mit dezidierten Erwartungen zu den Wohnungstypen auf. Diener & Diener haben es geschafft, die verschiedenen Vorstellungen in ihrem Wohnturmprojekt zu vereinen.


Sogar derart, dass die Türme direkt ins Auge fallen. Rechteckiger Grundriss mit einer Grundfläche von jeweils 450 Quadratmetern und einer Höhe von 56 Metern, so heben sie sich an der Hafenkante empor. 84 Wohnungen, zwischen 70 und 360 Quadratmetern groß, verteilen sich auf zweimal 15 Geschosse. Im Erdgeschoss befinden sich Handels- und Gewerbeflächen. Zehn Meter hinter der Wasserkante, was exakt der Baulinie der Uferpromenade entspricht, steht das erste Hochhaus. Das zweite ist etwas zurückversetzt. Mit dieser und anderen kleinen Abwandlungen und Finessen greifen die Architekten das Heterogene der Umgebung auf.

Wo die Türme aus der Entfernung fast noch schlicht und solide gewirkt haben, zeigt sich beim Annähern an sie das Außergewöhnliche ihrer Architektur. Dazu die Architekten: „Sehr wichtig für uns war der vor Ort vorhandene Maßstab und das Reagieren auf das teilweise industrielle Umfeld. Daraus entwickelten wir das Prinzip der Stapelung, bei denen elf verschieden große Appartements zu sieben verschiedenen Geschosstypen zusammengelegt wurden.“ Diese Typen stapeln sich mindestens zweimal und höchstens viermal übereinander, ehe eine andere Geschossart folgt. Wechselnde vertikale Reihen und Versätze lockern so die äußere Erscheinung der Türme auf. Immer wieder verschieben sich Fensteröffnungen zwischen Betonfertigelementen und zeichnen das Bild einer aufwechslungsreichen Lochfassade, gebettet in eine rechteckige Turmstruktur.

Apropos Fassade: Das hervorstechende Merkmal kommt erst noch. Die Betonhülle ist nämlich mit Gussglasscheiben und dahinter liegenden eloxierten Aluminiumblechen verkleidet. Während der südlichere Turm sich in goldene Farbe hüllt, erstreckt sich der nördliche champagnerfarben in die Umgebung. Durch die einseitig geprägte Rillenstruktur des Glases sowie die Aluminiumhaut entstehen je nach Lichtverhältnissen interessante Fassaden-Licht-Wasser-Reflektionen. Die enorme Glaswand spiegelt das nahe gelegene Wasser. Dieses wiederum lässt es sich nicht nehmen, die Umrisse des Gebäudes an seiner Oberfläche abzubilden. Gesellt sich die Sonne hinzu, entwickeln sich einzigartig schillernde Turmgebilde. „Betrachtet man die Türme unter bewölktem Himmel schräg von der Seite, tritt das zurückgeworfene Licht in den Vordergrund und verdeckt die subtile Farbdifferenz. Das dem Material Glas eigene Grün mischt sich mit dem reflektierten Himmel, und die beiden Türme sehen identisch aus. Bei anderem Wetter benehmen sich die Bauten wie Chamäleons“, schildern Diener & Diener die besondere Farbsituation.


Soweit zum Besonderen des Außen. Von Innen betrachtet ist unbestritten der Blick auf die Umgebung von Docklands, den Fluss Schelde und die Altstadt das Highlight. Dem wollten die Architekten bewusst nichts entgegen setzen. Schlichte Wohnräume lassen Platz für individuelle Gestaltungsarten. Über geschosshohe Schiebefenster gelangt man auf die Terrassen, die sich jeweils an den Ecken der Türme befinden. Hier kann man das wunderbare Hafenambiente in sich aufsaugen.

Doch zurück zu Gold und Champagner, die auch für den Innenraum eine Rolle spielen. Denn die Aluminiumfenster nehmen innen wie außen die Farbgebung der Fassade auf. Daher war es bei der Wahl der FSB-Produkte wichtig, diesen Umstand zu berücksichtigen. Diener & Diener entschieden sich für den Hebe-/Schiebetürgriff 3750 12, den Türdrücker 1015 und den Türknopf 2329, alle in der Optik Edelstahl, fein, matt. Der Edelstahl verkörpert für die Architekten Dauerhaftigkeit und fügt sich zudem zurücknehmend in die räumliche Umgebung ein. Der Türdrücker 1015 ist dank seiner klaren Formgebung vor allem auch in den Niederlanden äußerst beliebt. Seit mehr als 40 Jahren produziert FSB diesen Klassiker. Neben dem zeitlosen und hochwertigen Design waren Diener & Diener wichtig, dass sich die FSB-Komponenten in das Gesamtkonzept der Wohntürme integrieren. „Das fein-matt geschliffene Edelstahl passt hervorragend zu den beiden in den Wohntürmen verwandten eloxierten Aluminiumtönen“, die sich in sämtlichen Fensterrahmen wieder finden. Diese Logik von hochwertigem und gleichzeitig zurückhaltendem Design passt zur industriellen Logik der Details, die für die Architekten bestimmend war. Auf diese Weise gelingt es den Wohntürmen in ihrer Gesamtheit, mit der Atmosphäre der ehemaligen Hafenlage zu korrespondieren.

Fotos: Christian Richters



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