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Prager Höfe 

Bonn-Auerberg 

Zerfällt die Gesellschaft in immer kleinere Gruppierungen? Verlernt der Mensch in einer sozialen Gemeinschaft zu leben? Darf man den Statistiken glauben, wird ein Großteil der deutschen Bevölkerung zukünftig allein oder zu zweit wohnen, sofern dies nicht schon der Fall ist. Dies bringt zahlreiche Veränderungen für das Zusammenleben der Menschen mit sich. Wie darauf reagiert werden kann, unter sozialen, aber auch ganz pragmatisch, baulichen Gesichtpunkten, dazu sei an dieser Stelle eine Idee präsentiert. Die Frage ist: Wohin sollte sich Wohnen – gemeinsam oder allein – in unserer Gesellschaft entwickeln?

Eine gekonnte Antwort auf diese Frage liefert der Bonner Architekt Uwe Schröder mit seinen Prager Höfen in Bonn-Auerberg. Beispielhaft hat er durch diese zwei verwirklichten Objekte seiner Vision eines gemeinschaftlichen und zugleich privaten Wohnens Ausdruck verliehen. Über jeweils einen Innenhof erschließen sich vier Wohnblöcke, die wie kleine Türmchen diesen zentralen Platz flankieren. Wie sozial dieser zentrale Platz ist, bestimmen die Bewohner selbst. Mit anderen oder doch für sich, die gewünschte Balance zwischen Gemeinschaft und Privatheit bestimmt ein jeder nach Belieben. So gelingt es Schröder, eine neue Form des städtischen Zusammenlebens zu kreieren; auf ebenso simple wie geniale Weise. Haus und Stadt finden hier wieder zusammen.

Die beiden Hofensembles bieten in vier um den mittigen Platz gruppierten Wohneinheiten je 48 Quadratmeter Wohnfläche. Damit sind sie prädestiniert für Singlehaushalte; je nach Platzansprüchen können auch zwei Personen ein zu Hause finden. Zwischen den Wohneinheiten führen schmale, schluchtenähnliche Treppenaufgänge kreuzförmig in den Innenhof. Dieser halbprivate Zwischenraum weckt Erinnerungen an das römische Atrium. Geschützt und doch unter freiem Himmel, öffentlich und doch privat, vieles scheint hier möglich. Eine Gitterkonstruktion aus weiß verputztem Beton begrenzt in der Höhe den Hofbereich, bündig zu den Oberkanten der Wohnhäuschen. Die dazwischen entstehenden quadratischen Öffnungen erlauben den Blick gen Himmel. Die Gitterform wird am Boden des Innenhofes aufgegriffen. Quadratische Bodenplatten stellen den Bezug zu den „Himmelsöffnungen“ her.


Überhaupt wird dem Quadrat bei den Prager Höfen eine elementare Gestaltungsrolle zuteil. Hof und Wohneinheiten erstrecken sich über fünf ineinander verschränkte Quadrate. Der quadratische Grundriss jeder Wohneinheit erfährt zum Innenhof hin einen kleinen ebenfalls quadratischen Rücksprung. Zu guter Letzt der Innenhof selber, der ein weiteres Quadrat bildet.

Blickt man von einem Innenhof herüber in den anderen, erhält das Bild der Schlucht erneut Nahrung; die Imagination einer Straßenschlucht entsteht. Der Charakter des Städtischen tritt erneut in das private Wohnumfeld ein. Urbanität, die bereits vor der Haustür entsteht.

Das interessante an den homogenen Grundrissformen besteht in der Möglichkeit, theoretisch beliebig viele Hofhäuser neben- oder hintereinander errichten zu können. Nüchterne weiße Außenfassade und bodentiefe Fenster lediglich an den Gebäudeecken unterwerfen sich dieser Idee der „Reihung“.

Die „innere“ Fassade zeigt sich stärker gegliedert. Holzbauteile, als Lamellen vor den Fenstern und vertikal strukturierte Haustüren, sorgen für Auflockerung. Die Wohneinheiten selbst bestehen aus drei übereinander gelagerten Raumschachteln. Im Untergeschoss gelangt der Bewohner über ein kleines Zimmer zum zentralen Bereich unter dem Platz, der allen Mietern zur Verfügung steht. Eine Wendeltreppe verbindet den ebenerdigen Bereich von offener Küchenzeile und Wohnraum mit dem oberen Geschoss, welches Bad und Schlafzimmer beherbergt.


Die beiden Künstler Werner Haypeter und Lutz Fritsch haben sich der Gestaltung des Treppenbereichs gewidmet. Von Haypeter stammen die fluoreszierenden Elemente aus Epoxidharz, die sich in „fünfteiligen Bildsäulen“ gruppieren. Fritsch gestaltete den Gang die Treppe hinauf mit wechselndem Farbverlauf. Der Bewohner wandelt von Farbe zu Farbe. So erhält die Idee der Kombination neben privat-gesellschaftlich eine weitere Facette: die Verbindung von Kunst und Wohnraum.

Kommen wir zur abschließenden Facette der Prager Höfe, der Facette FSB. FSB konnte mit dem Fenstergriff 3424 und dem Türdrücker 1015 seinen Teil zu dieser außergewöhnlichen Wohnidee beitragen. Beide Produkte wurden in dem Aluminum-Bronze-Eloxalton C33 verbaut. C33 ist ein dunkler Bronzeton mit leichtem Grünstich, welcher sich hervorragend mit den hellen Holzelementen und dem reflektierenden Fensterglas verbindet.
Der vermutlich in seiner Grundform auf ein Design der 30er Jahre des letzen Jahrhunderts zurückgehende Türdrücker 1015 ist in der Version von Johannes Potente zu einer klaren und perfekt handhabbaren Form herangewachsen. Dank der Klarheit und schlichten Eleganz gelingt es den Produkten von FSB sich gekonnt in die mikrostädtische Struktur der Hofhäuser einzubinden. Verwobenheit heißt das Prinzip der Prager Höfe. Gemeinsam und individuell, beides fügt sich hier zu einem. Genauso wie die baulichen Komponenten sich zu einem ganz besonderen Hofensemble verbinden.



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