

„Ruhr.2010 – Kulturhauptstadt Europas“, so der Name des Projekts, mit dem Essen und das Ruhrgebiet dem Wandel der Zeit begegnen. Der „Pott“ macht sich auf den Weg von alten Kohle- und Stahl-Tagen hin zur „polyzentrischen Kulturmetropole neuen Typs“. Ein hoch gestecktes Ziel. Aber dennoch scheint es erreichbar. Zumindest solange der Weg mit solchen Meilensteinen wie dem Anfang 2010 eröffneten Neubau des Museums Folkwang gepflastert ist.
Gesetzt wurde dieser Meilenstein vom britischen Stararchitekten David Chipperfield, der durch Projekte wie zuletzt die Restauration des Neuen Museums in Berlin einen hohen Bekanntheitsgrad – auch außerhalb der Architekturszene – erlangt hat. Seine Spezialität: das „Sich-Hineinfühlen“ in bestehende Strukturen, denen er stets mit höchstem Respekt begegnet. Mit dem Neubau des Folkwang Museums konnte er diese Spezialität abermals unter Beweis stellen. Der historische Museumsbau von 1960, den jetzt zwei verglaste Übergänge mit dem Neubau verbinden, war Ausgangspunkt aller Planungen; der von der Bevölkerung nie wirklich angenommene Erweiterungstrakt von 1983 musste weichen.
Chipperfield ist es auf beeindruckende Weise gelungen, dem Altbau keinen Fremdkörper an die Seite zu stellen – geschaffen hat er eine symbiotische Struktur zwischen Altem und Neuem. Chipperfield wollte, wie er sich ausdrückt, die „DNA“ des Altbaus übernehmen: Einfache Formen; nahezu transparente Wände erlauben den Blick von innen und nach außen. „Dieses Gebäude ist so klar und einfach“, sagt Chipperfield bezüglich des Altbaus. Und „einfach“ drückt in diesem Fall vollste Bewunderung aus. Jene Genialität der Einfachheit, die einem auch im Neubau begegnet. 25.000 Quadratmeter Grundfläche, bebaut mit sechs Baukörpern, im rechten Winkel zueinander ausgerichtet, lassen die Imagination eines wuchtigen und massiven Klotzes entstehen. Doch das sind bloße Fakten.
In der Realität besticht der Neubau durch Leichtigkeit und wirkt einladend. Ein- und Durchblicke, in Analogie zum Altbau; Licht durchdringt den Gebäudekomplex bis in den kleinsten Winkel seines Daseins. Eine Architektur aus Pavillons und Innenhöfen, lichtdurchlässigen Wänden und Fenstern. Schlichte Eleganz in modernem Gewand, eine reduktionistische Bauweise, die – entfernt von pompöser und überfrachteter Architektur – den Blick auf das Wesentliche, nämlich die ausgestellte Kunst, zulässt.
Eine lichtdurchlässige, alabasterähnliche Fassade, bestehend aus rechteckigen Glasreyclingplatten, ändert je nach Intensität des Sonnenlichts ihren Ton. Hellgrauer Betonwerkstein, der in Farbe und Textur den Böden der Innenräume sehr nah kommt, bildet den Sockel des Gebäudes.
Eine großzügige Freitreppe führt von der Bismarckstraße in den neuen Eingangsbereich, der als offener Innenhof mit einem Restaurant und einer Buchhandlung konzipiert und durch eine Glasfassade zur Straße hin geschützt ist.
Aus dem Foyer – wie die übrigen Räumlichkeiten – schlichten weiß mit geschliffenem Estrichboden und zahlreichen gläsernen Wandteilen – ragt wie eine kleine Insel der Kassentresen in Nussbaumfurnier heraus. Bereits von hier aus erschließt sich auf einen Blick das gesamte Gebäude, so dass man sicheren Schrittes zu den Kunstwerken, zum Lesesaal oder auch zur Bibliothek gelangt. Der Überblick erleichtert sich dem Besucher zusätzlich, da sich, dem Original aus den 60ern folgend, alle öffentlich zugänglichen Räume auf einer Ebene ohne Niveauunterschiede befinden. Das Prunkstück des Neubaus ist ohne Zweifel der große Ausstellungssaal: ein riesiger rechteckiger Raum mit weißen Wänden und poliertem Estrichboden, über dem sich eine 1.400 Quadratmeter große Oberlichtkonstruktion ausbreitet, die ein illuminatives Highlight setzt.
Nach der Chipperfield’schen Philosophie soll sich dem Besucher der Eindruck vermitteln, ein kleines Dorf zu betreten. Die Orientierung soll ihm nicht abhanden kommen, wenn er sich auf der Wanderung durch das Wegenetz des Dorfes Folkwang befindet. Daher nehmen Licht und Transparenz wesentliche Funktionen ein. Immer wieder fällt der Blick von Innen auf umstehende Gebäude, auf Grünflächen, die sich auch mal hinter Glasquadern als Teil des Gebäudes entfalten und den Eindruck von innen und außen verschwimmen lassen. Der Blick auf den Himmel, scheinbar frei, nur begrenzt durch fast nicht wahrnehmbares Glas. Ob aus der Außenperspektive das Treiben im Inneren des Gebäudes verfolgend oder die Innensicht einnehmend, der Unterschied ist fast unmerklich – wäre da nicht die Kunst, die sich dem Blick des Außenbetrachters entzieht.
Das neue Museum Folkwang bietet eine abwechslungsreiche Raumfolge mit viel Tageslicht in den bis zu sechs Meter hohen Ausstellungsbereichen, sowie eine Bibliothek mit Lesesaal, einen Multifunktionssaal und einem Veranstaltungsbereich. Neben dem großen Saal für Wechselausstellungen beherbergt das Museum Folkwang das Deutsche Plakatmuseum, die Fotografische sowie die Grafische Sammlung. Chipperfield nennt es die „Paradoxie eines Museums”, jenen Wunsch, sich in der Kunst zu verlieren, aber dennoch die räumliche Orientierung zu bewahren. Möglich ist dies nur, wenn alle Teile des Ganzen perfekt aufeinander abgestimmt sind. Nur so können sich Einfachheit und Zurückgenommenheit im Raum ausbreiten.
Auch FSB hat seinen Teil zum Ganzen beigesteuert; mit den Türdrückergarnituren 7215 13 und 7245 13 (Produktfamilien 1015 und 1045) in Edelstahl. Zwei schlichte, einfach geformte Modelle. Das Grundmodell dieser beiden Türdrücker wurde vermutlich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erdacht. Der Designer Johannes Potente hat dieses für FSB zu einer klaren Form weiterentwickelt. Die Ausführung 7245 stellt eine Return-Variante des Türdrückers 7215 dar. Ob diese beiden Türdrückergarnituren in punkto „Genialität durch Einfachheit“ mit den Arbeiten von Chipperfield mithalten können, mag man bestreiten. Unbestritten hingegen ist, dass sie ein Teil des Ganzen sind und erst durch die Gesamtheit die Paradoxie nicht einfach im Zustand der Utopie verbleibt.