

Architektur für die wissensorientierte Gesellschaft
Im Norden des Wolfsburger Stadtteils Hageberg befindet sich auf einem über 15 Hektar großen Areal das erste von insgesamt fünf Gebäuden des MobileLifeCampus. Auf über 25.000 m² Baugrundfläche beherbergt der MobileLifeCampus seit Herbst 2006 einige Institutionen der Volkswagen-AG und die AutoUni. Die Volkswagen AG strebt mit dem MobileLifeCampus die Errichtung einer Kommunikations- und Forschungsstätte an.
Das Konzept des 156 Meter langen, 54 Meter breiten und 22 Meter hohen Gebäudes wurde vom Büro Henn Architekten München/Berlin entwickelt. Es gleicht einem räumlich gefalteten Band, das diagonal die Richtung wechselt, dabei Räume und Höfe verbindet und sie in einer erlebbaren Logik anordnet. In die Faltstruktur sind die horizontal angelegten Geschossebenen integriert. Die Architekten verfolgen in ihrem Konzept die gebaute Transformation einer Matrix. Dabei steht die Umsetzung der Idee im Vordergrund, Wissen in Räumen zu generieren, die durch Überlagerungen und Überschneidungen entstehen. Projektleiter Marc Ulrich bezeichnet das außergewöhnliche architektonische Konzept als „Kommunikationsprovokation“. Die Gebäudestruktur erinnert an ineinander „verdrehte Bänder“ – „Wissensbänder, die eine hohe Wissensdichte und eine Vielzahl an Kontaktstellen erzeugen“ und damit einer „Super-Synapse“ gleichen. Diese Architektur steht symbolisch für die weltumspannende Privatuni, in der zahlreiche Themen der Welt, Forschung und Wissenschaft unter einem Dach vereint sind.
In der Vergangenheit folgte die Architektur häufig der Philosophie „Form follows Function“. Gebäude waren nach verschiedenen Funktionen gegliedert und die hierarchische Ordnung war ablesbar. Abgeteilte Räume, die von langen Fluren abgehen, waren der wesentliche Raumeindruck in Bürogebäuden. Heute werden wieder zunehmend offene Arbeitswelten bevorzugt.
Die Arbeit erfährt durch das Wechselspiel zwischen Konzentration am persönlichen Arbeitsplatz und der Kommunikation mit Kollegen im Team und an verschiedenen Orten eine besondere Inspiration. Die Architektur des MobileLifeCampus soll den Wissensfluss und somit den Arbeitsprozess fördern. Transparenz, Helligkeit, offene hohe Räume und visuelle Verbindungen zwischen den einzelnen Projektflächen erleichtern das Arbeiten in Netzwerken und schaffen Vertrauen. Darum kennzeichnen kurze Wege, Offenheit und Freiräume für informelle Kommunikation den Charakter des Bauwerks.
Die faszinierende Gebäudestruktur wird in der über 22 Meter hohen und 43 Meter breiten Fassadenstruktur des Atriums an der Nord- und Südseite wieder aufgegriffen. Sie ist als massives Band im Wechselspiel geschlossener und transparenter Flächen gestaltet. Die diagonal verschränkten, transparenten Strukturen auf 25.000 m² Grundfläche – eingesäumt von einer inspirierenden, ovalförmigen Grünanlage – bieten zahlreiche Kommunikationsflächen, Terrassen sowie Veranstaltungsbereiche im Innen- und Außenbereich. Die Architekten haben mit der künstlich anmutenden Außenanlage eine Campuslandschaft geschaffen, die den menschlichen Eingriff bewusst zeigt. Die 500 Apfelbäume, die in regelmäßigen Abständen auf dem Areal gepflanzt wurden, unterstreichen den Eindruck des Artifiziellen und des Gewollten zusätzlich.
Der Innenraum wird geprägt durch ein spektakuläres, glasüberspanntes Atrium, das sich über die vier Geschosse erstreckt. Hier befindet sich das bauliche und organisatorische Zentrum, der Hauptversammlungsort des MobileLifeCampus, in das alle Wege münden. Bewusste Überschneidungen und Vernetzungen der Wege unterstreichen die Offenheit. Die Seminarräume sind in freier Anordnung um das Atrium gruppiert und ragen auf unterschiedlichen Höhen in das Zentrum hinein.
Die Henn Architekten entschieden sich im Rahmen dieses Projektes für das Türdrückermodell FSB 1144 sowie den Fenstergriff FSB 3444 von Jasper Morrison. Die Fenster und Innentüren wurden mit Garnituren in Aluminium ausgestattet. Aus brandschutztechnischen Gründen kamen bei den Türen vereinzelt Garnituren in Edelstahl zum Einsatz. Jasper Morrisons Entwurf fügt sich mit seinem zeitlosen und unaufdringlichen Design in das moderne Architekturkonzept ein. Die Aluminiumoberfläche der Griffe und Drücker findet sich im gesamten Gebäude an Treppengeländern, Glasfassaden und Lampenfassungen wieder. Die Architekten wählten den Morrison-Drücker, da er sowohl „ergonomisch“ als auch „gestalterisch homogen“ ist. „Für uns war es wichtig, dass der Drücker keine Schwellenängste hervorruft und dass jede Nationalität ihn ganz selbstverständlich handhaben kann“, erklärt Ulrich. Der Morrison-Drücker biete durch sein „schnabeliges Ende“ ein „Griffvolumen für die letzten beiden Finger“ und sei damit gleichermaßen „griffig“ wie „bedienerfreundlich“.
Die Architekten assoziieren mit den Morrison-Beschlägen die Adjektive „haptisch, geschwungen, weich“. Auch die Drücker und Griffe folgen damit in Design und Oberflächengestaltung genau wie die Architektur des MobileLifeCampus dem Motto „Form follows People“. Die Architektur der neuen Arbeitswelten entspricht wieder zunehmend natürlichen menschlichen Bedürfnissen.
Fotos: H.G. Esch