

Still und fast heimlich hat das Wiesbadener Museum diesen Titel errungen: „Museum des Jahres 2007“. Ohne großes Brimborium und Medienrummel, ohne viel Geld, dafür aber mit einer klaren Linie und einem gelungenen Umbau hat sich das Museum diese Auszeichnung verdient. In der Begründung der Jury für diesen Titel heißt es: „Schon die Entscheidung für Programmatisches hebt das Museum Wiesbaden von den meisten Museen in Deutschland mit deren eher diffusen, auf nebulöse Vollständigkeit gestellten Sammlungshorizont ab“. Diese Programmatik und Konzentration auf das Wesentliche spiegeln sich in den klaren Strukturen und überschaubaren Raumschnitten des sanierten Gründerzeitgebäudes wieder.
Das nach den Plänen von Theodor Fischer 1912 erbaute Museumsgebäude besteht aus einem dreigliedrigen Grundriss mit symmetrischem Aufbau und einem oktogonalen Mittelteil. Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nicht in das zur Zeit der Erbauung prächtige Gebäude investiert. Restaurationen waren ebenfalls eher Fehlanzeige. Dies bescherte dem Museum bei der Übernahme der Direktion durch Volker Rattemeyer 1987 einen desolaten Zustand der Bausubstanz. Die Räumlichkeiten machten durch kleinteilige Umbauten oder Umnutzungen einen maroden Eindruck, was eine Sanierung unumgänglich machte.
Für das Architektenbüro Schultze + Schulze bestand die Schwierigkeit der Sanierung darin, dem Architekturkonzept von Fischer den nötigen Respekt zu zollen und behutsame und nicht zu radikale Schritte bei den Umbauarbeiten durchzuführen. Gleichsam mussten aber auch die aktuellen Standards von Haustechnik und Sicherheit erfüllt werden. Den veränderten funktionellen Anforderungen der Kunstpräsentation Rechnung tragend, wurden verschiedene Räume zusammengefasst, wodurch großflächigere Ausstellungsflächen entstanden.
Die generelle Forderung nach weißen Wänden seitens der Museumsführung und die weitgehend versteckte Technik sind Beispiele für diesen behutsamen Umbau. Auf moderne Elemente wurde nicht verzichtet, allerdings nur solange sie sich in das historische Gesamtkonzept einfügen und eindeutig einer Aufwertung des Bestehenden zuträglich sind. Das Beleuchtungskonzept- und Klimatisierungskonzept, verborgen hinter den zu Wartungszwecken absenkbaren Glasdecken, erfüllen diese Vorgaben. Somit entsteht im Inneren des Museums ein Eindruck von Wärme und Helligkeit, hervorgerufen durch die hellen Wände und eine Beleuchtung, die nicht nur die Exponate, sondern zudem auch die Räumlichkeiten auf das Gelungenste in Szene setzt. Durch Anhebung der lichten Raumhöhe, durch einfache weiß verputzte Wände und naturgewachste Parkettdielenböden ist dem Besucher ein angenehmer Kunstgenuss gewährleistet. Eine Architektur für die Kunst – ähnlich einem „Passepartout“ – war das Ziel.
Schon das Entrée des Gebäudes setzt fulminante Akzente. Durch die Wandelhalle betritt man wie über einen Art Marktplatz die übrigen „Stadtteile“ des Gebäudes. Für Schultze funktioniert ein Gebäude ähnlich wie eine Stadt. Daher ist eine günstige verkehrstechnische Verbindung der Stadtteile fundamental. Dies erklärt das Einfügen einer Brücke in der Wandelhalle, womit einen horizontale Verbindung zwischen den beiden Seitenflügeln des Museums wächst. Die gläsernen Logen mit ihren gerundeten Natursteinbrüstungen schlagen in Abgrenzung zu den schmiedeeisernen goldgefassten Brüstungen der Wandelhalle einen Spannungsbogen zur Moderne. Alt und neu treffen hier wie an vielen andere Stellen aufeinander, werden aber laut Schultze „in ihrer jeweiligen Wertigkeit intensiver erfahrbar als früher“. Der zurückhaltende Einsatz von Glas- und Stahlelementen setzt die historischen Räume gekonnt in Szene und schafft dennoch den Eindruck eines zugleich modernen Ambientes.
Schultze legte großen Wert auf die Auswahl der Materialien. Dolomitstein für die Böden, hölzerne Seitenverkleidungen und Handläufe auf der einen, Metallgeländer auf der anderen Seite der Treppe. Auch hier wieder der Bogen zwischen alt und neu. „Die abwechslungsreiche Materialwahl unterstützt die sinnliche Raumwahrnehmung der Besucher, ist zugleich auch eine Hommage an die handwerkliche Perfektion des Theodor Fischer-Baus“, sagt Schultze. Eine spannungs- und abwechslungsreiche Raumerfahrung ist eines der Leitmotive seines Entwurfs.
Die spannungsreiche Raumerfahrung mittels Materialwahl ist auch durch die Produkte von FSB mitbestimmt. Der Türdrücker 7664 in der Feuerschutz-Ausführung fand bei der Sanierung des Landesmuseums Verwendung. Das Material Edelstahl rostfrei erzeugt in Verbindung mit älteren Baustoffen genau den beabsichtigten Abwechslungsreichtum. Gekonnt fügt sich der Türdrücker mit seinem modernen Werkstoff in das Gesamtkonzept ein. Die verwendete flächenbündige Turnhallen-Muschel 7949 setzt Akzente und wirkt dennoch nicht aufdringlich. Die schlichte aber gleichwohl außergewöhnliche Form spiegelt exakt die Attribute, die dem Museum die erwähnte Auszeichnung einbrachte: klare Strukturierung und Konzentration auf das Wesentliche.
Fotos: Edgar Restle