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KU64

Berlin

Der Kurfürstendamm, um 1542 als Dammweg vom Berliner Stadtschloss zum Jagdschloss Grunewald angelegt und zunächst als Reitweg von den Kurfürsten genutzt, wurde zur Zeit der Weimarer Republik für viele zum Synonym der „Goldenen Zwanziger“. Heute ist der Ku’damm international als exklusive Einkaufsstraße bekannt. Mitten auf der berühmten Konsummeile, Hausnummer 64, befindet sich die wohl außergewöhnlichste Zahnarztpraxis ganz Berlins – das KU64.

Im 5. und 6. Obergeschoss des Hauses, in dem vor Jahren das Kino „Hollywood“ untergebracht war, erwartet den Patienten eine andere Welt. Anstelle der sterilen weißen Räume mit dem unverwechselbaren Geruch einer Zahnarztpraxis betritt der Besucher eine amorphe Dünenlandschaft in sonnig-sandigen Farben. Es riecht nach frischem Kaffee, im Hintergrund plätschert ein Wasserfall, Lounge-Musik sorgt für eine angenehme Atmosphäre.

Auf insgesamt 940 Quadratmetern Fläche über zwei Etagen verteilt, setzte das GRAFT Architektentrio mit Sitz in Berlin, Los Angeles und Peking die Vision des Zahnarztes und Bauherrn Dr. Stephan Ziegler um: „Meine Patienten sollen die Praxis mit einem entspannten Wohlgefühl verlassen. Die Architektur soll Ängste abbauen und bestehende Rituale und Erwartungen, die an eine Zahnarztpraxis geknüpft sind, aufbrechen.“


Das GRAFT-Konzept orientierte sich daher bei der Raumgestaltung an der Architektur eines Freizeit- und Wellness-Bereichs. Boden, Wand und Decke bilden eine Art Welle, die alles erfasst und als dreidimensionale Raumfigur erlebbar macht. Die Behandlungsräume schmiegen sich wie Sandburgen in die gelb-orange „Dünenlandschaft“; allein die Glastüren und -wände der Räume durchbrechen die ungewöhnliche Raumstruktur und verleihen ihr ein hohes Maß an Transparenz. Eine spezielle Folienbeschichtung aus Japan schützt die Patienten auf den Behandlungsstühlen dabei vor neugierigen Blicken.

Die „Dünenlandschaft“ wurde einer besonderen Oberflächenbehandlung unterzogen. Zuerst erhielt sie einen farblosen Spritzelastomer, dann eine gelb-orangefarbene Versiegelung und ein weißes Punktraster, das transparent-glänzend endversiegelt wurde. Stark verzerrte Körperbilder von Läufern ziehen sich mit den Punktrastern über Boden, Wand und Decke. Dadurch verschwimmen die Übergänge noch mehr und das Raumempfinden eines „fließenden Wellentunnels“ wird zusätzlich verstärkt.

Einen besonderen Hingucker bildet der Wartebereich der Praxis – die Lounge. Hier erwarten den Besucher bequeme Liegesessel, eine Bar und ein offener Kamin des bekannten französischen Kamindesigners Dominique Imbert; an der Decke befestigt und um 360° schwenkbar. Das Panoramafenster ermöglicht einen Blick über den Ku’damm und das Berliner Häusermeer. Bei schönem Wetter kann auch die Sonnenterasse genutzt werden.


Hinter der Lounge führt ein „Treppen-Canyon“, der bizarre Raumperspektiven schafft, in das 5. Stockwerk hinunter, dessen Gestaltung mit den teils schrägen und teils mehrschichtigen Korridorwänden an das ausgefallene Raumkonzept des oberen Stockwerks anknüpft. Die indirekte Lichtführung sorgt dabei für eine ganz eigene – fast meditative – Atmosphäre.

Der Mundhygieneraum erinnert eher an den Waschraum eines Luxushotels. Leise plätschernd bahnt sich ein Wasserfall seinen Weg in ein großes Bassin, in das gläserne Designerwaschbecken aus Italien eingebaut wurden. Von der Decke hängen riesige Spiegel, die – wie das Wasser – die diffusen Lichtquellen in bizarren Reflektionen auflösen.

Zieglers Liebe zum Detail und zu gutem Design zeigt sich auch bei seiner Wahl der Türklinken. Hier entschied er sich gemeinsam mit den Architekten für FSB 1076 aus Edelstahl. Die unaufdringliche Form der Klinke, die heute auch als „Frankfurter Modell“ bekannt ist, ist wahrscheinlich das Ergebnis des Architekten Robert Mallet-Stevens (1886-1945), der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zahlreiche Wohnhäuser in Paris errichtete. Er kam auf die Idee, einen Rundstab zu trennen und im rechten Winkel mit Gehrungsschnitt wieder zusammenzusetzen. Das schlichte Design ordnet sich der lebendigen Architektur der Zahnarztpraxis dezent unter. Auch die Türbeschläge FSB 7276 13, 7276 14 und 7276 15 Aluminium naturfarbig eloxiert verschmelzen in der extravaganten Gestaltung der Räume zu einem harmonischen Ganzen.

Am Projekt beteiligte Mitarbeiter:
GRAFT Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit
Project Architect: Tobias Hein, Karsten Sell
Architects: Sven Fuchs, Lennart Wiechell
Project Team: Björn Rolle, Markus Müller

Fotos: hiepler brunier architekturfotografie



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