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Wohnhaus Hubacherweg

Liebefeld bei Bern

Wie würden sie die folgende Frage beantworten: Was ist, wenn ein Erdgeschoss einfach zu viele Wände hat? Haben sie sich eine Antwort überlegt? Dann können sie diese nun mit der des Schweizer Architekturbüros Freiluft abgleichen. Logisch, aber auch irgendwie banal klingt es, was die Freiluftler diesbezüglich zum Besten geben: Man nimmt die Wände raus. So geschehen beim Umbau des Wohnhauses Hubacherweg 22 in Liebefeld unweit von Bern. Doch von Banalität ist hier keine Spur. Woran das liegt? Auch hier ist die Antwort erneut eine einfache. Indem man es nicht beim Herausnehmen von Wänden belässt, sondern zugleich Neues hinzufügt oder, um in der Sprache des Büros Freiluft zu bleiben, Neues „einpflanzt“. Ein rotes Herz, ein Panoramafenster und schon ist das dem Umbau unterworfene Erdgeschoss zum Leben erweckt.

Schaut man von draußen durch das Panoramafenster in den neu geschaffenen großräumigen Wohn-Essbereich, fällt der Blick unweigerlich auf ein organisch anmutendes Etwas in der Mitte des Zimmers. Gar nicht weit gefehlt mit diesem Eindruck des Organischen. Denn das, was sich im Inneren des Zimmers präsentiert, weist eine bewusste Analogie zur Form des menschlichen Herzens auf. Als leuchtende, pulsierende und Wärme produzierende Insel haucht der Einbau den zuvor schnöden und gewöhnlichen Räumlichkeiten neuen Elan ein.

„Es handelt sich um einen mikroskopisch kleinen Umbau des Erdgeschosses einer Doppelhaushälfte, der aber mit vielen witzigen Details aufwartet“, so der Freiluft-Architekt Martin Klopfenstein. Bewusst wurde der Kontrast zwischen ganz einfachen und aufwendigen Lösungen gesucht. Jegliche Gewöhnlichkeit ist weggefegt, es herrscht Ausnahmezustand. Giftgrüne Innentür trifft auf bronzenen Türdrücker, knallig rote Küchenelemente treffen auf edle weiße Strukturtapete. Einfach und edel, alt und neu, ein „Clash of Materials“ ist es, der sich vor einem ausbreitet. Ein wenig quer, ein wenig schräg sei es, was die Herren Architekten hier „verbrochen“ haben, meint Klopfenstein. Aber genau deshalb lohnt es sich, nicht beim Blick durch das Panoramafenster zu verharren, sondern seinen Fuß direkt inmitten dieses ungewöhnlichen Rote-Herz-Szenarios zu setzen.


Noch vor dem Umbau das gleiche Bild, was sich beim Betreten von Wohnungen oftmals bietet. Kleiner Flur, rechts zum Keller runter, kleine Toilette, Einbauküche, links ins Wohnzimmer. Das war´s. Und heute? Zum Keller geht es noch immer rechts runter. Aber damit auch schon genug der Unveränderlichkeiten. Ein großer, offener Raum empfängt einen fast direkt an der Haustür. Hell ist es, außergewöhnlich ist es, bunt ist es. Und was ist es nun genau, was einen in der Mitte des Zimmers erwartet? Eine Küche? Eine Toilette? Ein Ofen? Oder doch ein Organismus? Von allem etwas. Eine Kombination aus Kochinsel, Gästetoilette und Feuerstelle, die eine solch intensive Ausstrahlungskraft hat, dass der Verweis auf etwas Lebendiges nicht aus der Luft gegriffen scheint.

Rot als farblicher Ausgangspunkt bestimmt das Aussehen der „Kombination“. Rote Schränke für das Küchenelement, rote Wände, welche die Gästetoilette bekleiden und an der Decke eine den Schwung der Kochstelle aufnehmende rote Platte wirken in ihrer MDF-Beschaffenheit modern, homogen und ausdrucksstark. Gebrochen wird diese Rot-Einheit sobald man die Tür zur Gästetoilette öffnet. Giftgrüne Innentür und Wände schreien einen förmlich an. Dieses Giftgrün findet seine Fortsetzung vereinzelt an freiliegenden Rohren oder Stahlstützen und setzt aufrüttelnde Raumakzente. Der mit seinem Rohr die direkte Verbindung zum „Herz“ suchende Ofen findet seine farbliche Entsprechung im Anthrazit der Kochinsel-Arbeitsplatte.


Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der außergewöhnlichen Formen und Farben steht die Insel selbstsicher, zusammengehörig und, ja, organisch eben im Raum. Obwohl die ehemalige räumliche Aufteilung in Rudimenten noch erkennbar ist – an Boden und Decke zieht sich ein von der ehemaligen Wand stammender Streifen durch das neue Erdgeschoss, welcher die verschiedene Bodenbeschaffenheit, auf der einen Seite Holzdielen auf der anderen grauer Steinboden, begründet –, hat der Organismus ein völlig neues Wohnerlebnis entstehen lassen.

Geschwungene Formen sind es, die den Raumeindruck bestimmen. Und geschwungen ist auch der Türdrücker von FSB, der seinen Beitrag zu diesem außergewöhnlichen Umbau leisten durfte. Die Freiluft-Architekten setzten auf das Modell 1023 in Bronze poliert gewachst mit der Rosette 1731; als Badgarnitur in der Ausführung 1735 0054. Nicht nur, dass hier mit der Anlehnung des Design an die „Ulmer Türklinke“ auf ein Stück Designgeschichte zurückgegriffen wurde, zudem wurde mit der Variante „Bronze“ ein kontrastierendes Element gewählt, das dem Organismus „Herz“ eine weitere Facette entlockt. Hochwertig sollte er sein, der Türdrücker für ein solches Projekt sein, angenehm im Handling, edel und klassisch. Und so ist es fast schon als kleine Ehrerbietung gegenüber dem Modell 1023 aufzufassen, dass die Architekten diese Eigenschaften in ihm vereint sehen.

Nun, was bleibt sonst noch zu sagen bei einem solch außergewöhnlichen Umbau? Vielleicht die vom Architekten Klopfenstein angegebene Zahl gekosteter Nerven, die sich auf drei belaufe. Seiner Meinung nach nicht viel für dieses Projekt. Und vor dem Hintergrund der „Schrägheit“ der Umbauarbeiten kann man ihm da nur beipflichten.

Fotos: Adrian Moser



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